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Das Fotobuch

Prof. Staeck auf Reisen: "Frohe Zukunft"

Jetzt, wo plötzlich wieder von Karl Kraus und Matthias Beltz die Rede ist, wird es höchste Zeit, sich an einen einflussreichen Humoristen der Bundesrepublik

Von ULF ERDMANN ZIEGLER

Jetzt, wo plötzlich wieder von Karl Kraus und Matthias Beltz die Rede ist, wird es höchste Zeit, sich an einen einflussreichen Humoristen der Bundesrepublik zu erinnern, Klaus Staeck. Einst hatte jemand an die Hauswand seines Heidelberger Ladens geschrieben: "Herr Staeck, Sie sind schon blaß...", worauf er mit einem selbstgemachten Graffito konterte: " . ..die Zeiten sind auch danach." Vom genialen Schöpfer höchst memorabler Interventionen kommt nun ein ausladendes Buch mit beiläufigen fotografischen Notizen. Die meisten von ihnen sind unfreiwillige Cartoons, eine Coca-Cola-Tafel mit der Aufschrift "Turmauffahrt + Bockwurst DM 5,-" oder ein gruseliger Container in den Dünen, der "das schwarze Quadrat" zitiert, an der Grenze von Zufall und individueller Mythologie.

Für einen typographischen Satiriker nicht überraschend, handeln die meisten seiner Beobachtungen, beginnend 1980, von der gut gemeinten Beschriftung von Stadt, Land und Baustellen; und wie Staeck, im zweiten Beruf Rechtsanwalt, einmal angemerkt hat, sind "die, die es gut meinen, die schlimmsten". Bei seiner Fixierung auf Zettelchen, Plakate und Logos könnte man glatt übersehen, dass sich Staeck vorgenommen hat, den sozialen Ort der öffentlichen Bekanntmachung zu begreifen, und im Begreifen zu karikieren. Die Säule in Köln jedenfalls, deren großstädtisches Pappmaché unter dem "Stones"-Plakat zu Boden sinkt, erinnert stark an die Volksmetapher von den heruntergelassenen Hosen. Staeck, bekanntermaßen angezogen von deutscher Ordnung, widmet sich wechselweise ihren Exzessen und ihren Aussparungen.

Besonders eindrucksvoll war die Mischung von Schmuddel und Ordnung in Bitterfeld, der "Heimatstadt" des Grafikers, deren kuriose sozial-ästhetische Wende in diesem Buch festgehalten ist. Die bundesrepublikanischen Entgleisungen wirken regelrecht angestrengt, ja gewollt im Vergleich. Da dieses Werk dem Fotografen Dirk Reinartz postum gewidmet ist, ahnt man die ursprüngliche Absicht, ein Deutschlandbuch zu machen. Dabei ist es nicht geblieben: Die Beobachtungen aus Antwerpen wollen sich ins ironische Programm nicht fügen.

Was das Deutschlandthema betrifft, ist Staeck kein fotografischer Eckensteher geblieben. Als Teilnehmer von Parteitagen der SPD, über deren Fernsehpomp er sich lustig macht, ist er aufgestiegen zum Besucher bei höchsten blitzsauberen Regierungsstellen in Berlin, deren Deko-Protokoll er wiederum geknipst hat, inklusive der Flugsitzreservierung für "Herr Prof. Staeck" mit Bundesadler, eine kleine Bildnotiz, die dem ansonsten randlos mit Bildern gefülltem Band im Frontispiz vorweg gestellt ist.

Das, was vielleicht eher als Ideensammlung begonnen wurde, entschlüsselt sich retrospektiv als politische Autobiographie. Staeck zieht uns hinein in sein Geschäft, in seine Tätigkeit; spart aber den Rückbezug auf seine grafische Kunst aus, was dem Buch gut bekommt, weil das Material wirklich frisch ist. Der Titel Frohe Zukunft, auf dem Umschlag in scharfer roter Schrift auf ein weißes Billboard gesetzt, ist Montage - und der einzige Eingriff des Grafikers.

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