Literaturhaus-Programm

Probe aufs Exempel

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Der neue Leiter des Frankfurter Literaturhauses, Hauke Hückstädt, stellt sein Programm vor.

Hauke Hückstädt, der neue Leiter des Frankfurter Literaturhauses, hat gestern sein erstes Programm präsentiert. Es stellte sich bei der Gelegenheit heraus, dass Hückstädt soeben Vater geworden ist, dass er die Arbeit seiner Vorgängerin Maria Gazzetti nur loben kann und ebenso das bürgerschaftliche Engagement in der Stadt. So etwas habe er noch nicht erlebt, so Hückstädt, Jahrgang 1969, der zuletzt das Literarische Zentrum Göttingen leitete.

Allerdings hatte der Verleger Joachim Unseld als Literaturhaus-Vorstand zuvor schon die ganz lustige, aber doch deutliche Wendung benutzt: „Dieses Haus muss auf die Beine gestellt werden.“ Hückstädt formulierte dann: Ein Haus, das sich auf ein „Reinheitsgebot“ stützen wolle, komme ihm seltsam vor, „gespreizt wie die spanische Hofreitschule“.

In den nächsten Monaten wird man sich also in der Reihe „Hütten und Paläste“ Autorenlesungen in unterschiedlich großen Frankfurter Privatwohnungen anhören können. Wenn der Abend „Mitglieds Heim“ heißt, funktioniert er zwar genauso, ist aber nur für Mitglieder des Literaturhaus-Vereins offen. Auch werden die Ex-Fußballerin Renate Lingor und der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg Gäste im Literaturhaus sein, und im Oktober Drehbuchautor Rolf Basedow. Kurz vorher startet seine Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ in der ARD.

Es kommt aber auch Judith Zander, die es mit ihrem Debüt „Dinge, die wir heute sagten“ soeben auf die 20-Titel-Liste des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Es kommen auch Jonathan Franzen, Herta Müller (beide ins Schauspielhaus, natürlich), Alissa Walser oder Martin Mosebach.

Alles tüchtig strukturiert

So mixt sich das Vertraute mit einigen Proben aufs Exempel, und Freunde von Reihen werden richtig gut bedient. Das meiste davon will ausdrücklich weg von der so genannten herkömmlichen Lesung. Mit dem Schriftsteller Thomas Hettche hat Hückstädt eine lose Folge von Gesprächen mit je einem Gegenüber seiner, Hettches, Wahl verabredet. Syberberg wird der erste sein. Die Reihe Backlist soll vergessenen Büchern eine Bühne bieten („Das muss möglich sein, bei allen merkantilen Zwängen“). Die Reihe Werk-Tag stellt das Werk eines Autors unter Anwesenheit desselben vor: In Folge 1 ist das Emine Sevgi Özdamar, Literaturwissenschaftlerin Heidi Gidion wird eine Einschätzung wagen. Weil auch die Belletristik-Runde Schöne Aussichten und die Sachbuch-Runde Streitfall weiterlaufen, wirkt alles tüchtig durchstrukturiert. Dabei ist es eher ein beherzter Probedurchlauf. Er habe schließlich nicht alles über den Haufen werfen wollen, so Hückstädt, von Jahr zu Jahr wolle er seine Handschrift stärker betonen. Die Suche nach Sponsoren läuft noch.

Nun mag im Zuhörer jähe Sympathie für das „Reinheitsgebot“ erwachen. Außerdem grübelt er vielleicht, was Hückstädts Satz bedeutet: Das Haus „muss sich fähig machen zum Selbstwiderspruch“. Aber allemal wird man hingehen müssen und ausprobieren, was zum Beispiel ein Auftritt von Rolf Basedow in einem Literaturhaus zutage fördert. Wer weiß.

www.literaturhaus-frankfurt.de

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