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Das Prinzip Überschaubarkeit

  • VonMichael Braun
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Premiere: "BuchBasel", die erste Buchmesse für die deutschsprachige Schweiz

Die kulturpolitischen Gewitterwolken haben sich verzogen, nun darf wieder eidgenössische Friedfertigkeit einkehren. Im Streit um die konkurrierenden Schweizer Buchmessen in Basel und Genf war im Vorfeld ungewöhnlich viel martialisches Vokabular mobilisiert worden. Von einer "Kriegserklärung" der "BuchBasel"-Erfinder war da die Rede, von "allemanischer Arroganz" und gezielter "Sabotage" des Genfer "Salon du livre et de la presse". In Genf, wo man seit siebzehn Jahren den Status der wichtigsten Schweizer Literaturveranstaltung für sich reklamiert, empfand man es als Affront, dass Matthyas Jenny, der Initiator der "BuchBasel", die erste Buchmesse für die deutschsprachige Schweiz in zeitlicher Parallelität zum Genfer Salon angesetzt hatte.

Der mit viel Empörungsrhetorik entfachte Wirbel um die vermeintliche Vertiefung des kulturellen "Röstigrabens" zwischen der Romandie und der Deutschschweiz hat sich im nachhinein als zündender Marketing-Gag für beide Messen erwiesen. In Genf zählte man 110 000 Besucher, bei der Premiere der "BuchBasel" immerhin 28 000. Dennoch wird es weiterhin Spötter geben, die im Blick auf die "BuchBasel" von einer Buchmesse im Westentaschenformat sprechen, einer "Swiss Miniature" der Literatur. Die 280 Aussteller, eine bizarre Mischung aus den Deutschschweizer Branchenführern wie Ammann, Unionsverlag oder Zytglogge, Lexikonverlagen, schrulligen regionalen Kleinsteditionen und rührigen "Dienstleisterverlagen", die ihren Autoren durch Druckkostenzuschüsse schröpfen, sind auf dem Basler Messeplatz in einer einzigen Messehalle versammelt, die man völlig konfusionsfrei in einer halben Stunde durchqueren kann. Natürlich sind 280 Aussteller eine verschwindend kleine Größe im Vergleich zu den 6 500 Ausstellern in Frankfurt und den rund 2 000 Verlagen in Leipzig. Aber das ehrgeizige Programm des messebegleitenden Literaturfestivals mit seinen rund 200 Lesungen, Gesprächen und Podiumsdebatten kann es an Inspiriertheit und Vielseitigkeit durchaus mit dem "größten Literaturfestival der Welt" (Leipzig über Leipzig) aufnehmen.

Gegen Matthyas Jennys Poesie der Erfolgsmeldungen steht aber auch in Basel die Prosa der Verhältnisse. Nicht immer zündete die Idee des Organisationsteams, die eingeladenen Autoren zur Begegnung anzustiften und ihre Textwelten "auf Korrespondenzen hin abzuhorchen" (Verena Stössinger). Der einstige Bestseller-Autor Robert Schneider (Schlafes Bruder) beließ es bei der Feststellung, dass er in seine eigenen Bücher grenzenlos "verliebt" sei, um anschließend vom Podium wieder zu verschwinden. Und in der gespenstisch anmutenden Atmosphäre des riesenhaft wirkenden Festsaals in Halle 1 versickerte ein von Michael Schindhelm moderiertes Gespräch über "das Unbehagen an der Zukunft" in ausufernden Monologen, deren inhaltliche Schnittmenge eher gering war.

Hier gab Georg Klein einige Details über sein jüngstes Projekt preis, einen Science-Fiction-Roman mit dem Titel Die Zukunft des Mars. Der Architekt Jacques Herzog sprach in ungeheurer Emphase über sein aktuelles China-Projekt, wobei er das mithilfe exemplarischer Fotografien illuminierte Reich der Mitte zum absoluten Faszinosum verklärte. Gegenüber solch strengen ästhetischen Entwürfen wirkten die Einlassungen der Schauspielerin Maria Schrader über das in der fürsorglichen Beschäftigung mit ihrer Tochter gewonnene "Verhältnis zur Zukunft" eher peinlich privat. Ruth Schweikert las den Anfang ihres immer wieder angekündigten und auch jetzt wieder verschobenen Romans Ohio, einer der aufregendsten Texte der "BuchBasel", der wie viele andere Romanentwürfe in ein von Katastrophen umstelltes "Familiengeheimnis" führte. Zwei Schlaflose, ein Mann und eine Frau, forschen in endlosen Nächten nach dem Urgrund ihrer tragischen Liebe. Eine schwarze Spur des Sterbens durchzieht diesen von emotioneller Bewegung stark aufgewühlten Text.

Ob bei der bereits beschlossenen Fortführung der "BuchBasel" im nächsten Jahr auch die bislang skeptischen deutschen Verlagshäuser auftreten werden, wird ganz profan von pekuniären Kalkulationen abhängen. Zum Beispiel von der Frage, ob man mit den bislang weidlich genutzten Möglichkeiten des Bücherverkaufs die beträchtlichen Standmieten bei der "BuchBasel" kompensieren kann.

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