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Der messelose Buchpreis hat Iris Hanika auf dem Schirm.
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Der messelose Buchpreis hat Iris Hanika auf dem Schirm.

Auszeichnung

Preis der Leipziger Buchmesse für Iris Hanika: Sophonisbe und alles auf der Welt

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Iris Hanika gewinnt den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse für ihren Roman „Echos Kammern“.

Es war die je nach Sichtweise ungefähr zweitgrößte mögliche Überraschung, dass Iris Hanika mit ihrem Roman „Echos Kammern“ am Freitag beim zweiten buchmesselosen Preis der Leipziger Buchmesse die Auszeichnung in der Kategorie Belletristik gewann. Hätte man nicht auf Helga Schubert gesetzt, dann auf Judith Hermann, und dann vielleicht auf Friederike Mayröcker? „Echos Kammern“ ist aber eine inhaltlich wie sprachlich und kunstsprachlich wagemutige Geschichte mit vielen Spiegeln und Spielen und doch auch Realitätssinn, was das gegenwärtige Leben im gentrifizierten New York und weitgehend gentrifizierten Berlin betrifft, den Städten, in denen sich die sympathisch verknallte Dichterin Sophonisbe tummelt.

Sieht man also davon ab, dass es immer die Lyrik ist, die am meisten riskiert (das wäre also Friederike Mayröcker gewesen), ist „Echos Kammern“ sicher der literarisch riskanteste Beitrag. „Es blitzt und spiegelt, experimentiert nur so vor sich hin“, sagte Katrin Schumacher in der Laudatio über den „herrlich palimpsesten Roman“, denn Hanika sei eine „kluge, witzige und wüste Erzählkonstrukteurin“ und seit drei Jahrzehnten „eine der eigensinnigsten Stimmen der deutschen Gegenwartsdichtung“. Ihr Spiel mit der Sprache, so Schumacher, könnte die Autorin jeder Zeit „den Roman kosten“. Andererseits ist es offensichtlich noch einmal gutgegangen. Die 58 Jahre alte Hanika selbst, wie auch die anderen Nominierten per Bildschirm nach Leipzig zugeschaltet: ernsthaft überrascht, geradezu stammelnd. Darum, sagte sie, schreibe sie ja normalerweise.

Das große Apropos

Bei der – im Verhältnis zur kuriosen Radioshow von 2020 – deutlich besser organisierten Preisverleihung hatte zuerst Timea Tankó in der Kategorie Übersetzung gewonnen, die Miklós Szentkuthys „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“ aus dem Ungarischen übertragen hat. Szentkuthy (1908-1988) habe ein Buch „über alles“ geschrieben, so Jurorin Katharina Teutsch vorab, das, 1939 entstanden, erst in den 70er Jahren habe ohne „zensorisches Gezeter“ erscheinen dürfen. Tobias Lehmkuhl versuchte die Einordnung, kam auf musikalische Begriffe (Improvisation, Fantasie, Barcarole) und beantwortete die Frage, wie man so etwas Quecksilbriges und zugleich messerscharf Argumentiertes übersetzen könne, mit der schönen Wendung: „indem man mitdenkt“. Dies eben sei Tankó gelungen, deren Übersetzungkapriolen man folgen könne, ohne dass einem flau werde. Tankó grüßte aus den Räumen der Anderen Bibliothek, in denen sich zeigte, dass die Zeit des Papiers nicht gezählt ist.

Sodann erhielt die Ethnologin Heike Behrend, Jahrgang 1947, für den Band „Menschwerdung eines Affen“ (Matthes & Seitz) den Preis in der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Behrend schildert in der „Autobiografie der ethnografischen Forschung“ ihre Reisen nach Kenia und Uganda in den siebziger und achtziger Jahren, gegenseitige Feldstudien, bei denen nicht nur sie die Fremde und die Fremden kennenlernte, sondern auch selbst – anfänglich als „Affe“ bezeichnet, unter anderem – kennengelernt wurde. Ein „erhellendes Buch in sich verdunkelnden Zeiten“, stellte Laudator Andreas Platthaus fest.

Der Preis der Leipziger Buchmesse – wie alle Beteiligten versicherten, garantiert zum letzten Mal ohne Buchmesse – ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert.

„Leipzig liest extra“ mit zahlreichen Streaming-Angeboten geht noch bis Sonntag. www.leipziger-buchmesse.de

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