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Romy Schneider in Claude Sautets "César und Rosalie".
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Romy Schneider in Claude Sautets "César und Rosalie".

Literatur

Plädoyer für eine hoffnungslos Verlorene

Hildegard Knef schrieb über Romy Schneider.

Von HANNS ZISCHLER

Wie sind die Zyklen beschaffen, in denen bestimmte Themen, Vorlieben, triviale Mythen, Trends und dergleichen mehr wiederkehren? Nach zwanzig, dreißig Jahren ist es heute offenbar mit der Totenruhe vorbei. Ist es dieselbe Kraft, die uns Dinge rasch vergessen lässt, um sie nach einem langen Winterschlaf wieder zu wecken und ans Licht zu holen - für kurze Zeit und erneutes Vergessen? Wer oder was organisiert diese Auferstehungen, diesen medialen Gespensterreigen?

Romy Schneider ist es, die jetzt wiedererweckt wird. Für das Kino, das gegenwärtig die deutliche Tendenz hat, seine eigenen Geschichten und Selbstbespiegelungen zu inszenieren, ist Romy Schneider eine Figur, die an biographischer Dramatik kaum zu übertreffen ist. Eine Dramatik, die sich aus Klatsch, Gerücht, kolportierten Erinnerungen speist. Das nacherzählte Leben als ein fait divers - als ein Filmstoff, der aus dem Kino extrahiert wurde.

Eine vergebliche Schützende

Hildegard Knef, eine halbe Generation älter als Romy Schneider, hat nach dem Tod der Schauspielerin, 1982, ein ungewöhnliches Buch geschrieben. Es setzt eine gewisse Kenntnis der Biographie voraus, es sind Blitzlichter mit grell hervortretenden Details. Szenen, die sie teils nur vom Hörensagen kennen konnte, teils unmittelbar selbst erlebt hat. Doch durch alle Passagen zieht sich wie ein roter Faden der Gestus einer - vergeblich und hilflos - Schützenden. Als wolle die Knef, im ebenso paradoxen wie sympathetischen Akt der nachträglichen, leidenschaftlichen Niederschrift, der Selbstzerstörung von Romy Einhalt gebieten. Es ist ein Pläydoyer für eine hoffnungslos Verlorene. Immer wieder sucht die Knef die Momente auf, wo eine Weichenstellung sichtbar wird, wo etwas sich zum Guten - oder zumindest zum Besseren - hätte wenden können, um dann, nüchtern und niedergeschlagen, zu konstatieren, dass Romys hoher Flug auf glänzender Bahn zu einem ebenso desaströsen Niedergang führen musste. Hildegard Knef schreibt leidenschaftlich unsentimental, auch und besonders wenn sie vom Schicksal dieser seltsam bewusstseinsfernen, ebenso verzauberten wie betörenden Frau besonders ergriffen wird.

"Teilnehmende Beobachterin"

Zu den stärksten Szenen des Buches gehört die Schilderung eines Abends im Hamburger Haus des Ehepaars Knef-Cameron, in das Romy mit ihrem schon hilflos-devoten Ehemann Harry Meyen im Gefolge förmlich einfällt, um sich Peter Steins "Peer-Gynt"-Inszenierung im Fernsehen anzusehen, weil das eigene Gerät kaputt gegangen war. In diesem Kapitel erweist sich die Knef als eine - man darf dieses arg strapazierte Wort hier vielleicht wieder verwenden - "teilnehmende Beobachterin" der besonderen Art. Nicht nur schildert sie die fast hypnotische Fixierung Romys auf das Stück im Kasten und körperlich-mediale Identifikation mit der Hauptfigur, sondern sie beobachtet sich und die beiden anderen Mitspieler in einer Schärfe, als ginge es darum, die Szene für ein künftiges Theaterstück festzuhalten.

Zu monieren ist, dass der Verlag das Buch schlampig redigiert und jeglichen erhellenden Hinweis auf die Entstehungsgeschichte dieser "Betrachtung" unterlassen hat.

Hanns Zischler lebt als Filmschauspieler, Dramaturg, Essayist und Übersetzer in Berlin.

Hildegard Knef: Romy Schneider - Betrachtungen eines Lebens. Moewig Verlag, Hamburg, 176 S., 14,90 Euro.

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