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Der Cheflektor des Suhrkamp Verlages Raimund Fellinger. 

Nachruf

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Zum Tod des Suhrkamp-Cheflektors Raimund Fellinger, der 68 Jahre alt wurde.

Man könnte meinen, dass ein Lektor, der im Jahr 1979 beim Suhrkamp-Verlag angefangen hat und dort Thomas Bernhard und Peter Handke betreute, Christoph Hein und Uwe Johnson, mit dem Lauf der Zeiten unzufrieden gewesen wäre. Die Schnelllebigkeit des Marktes, die technische Revolution haben den Beruf sehr verändert.

Doch Raimund Fellinger, seit 2006 auch in der Position des Cheflektors, beschrieb in einem Gespräch mit jungen Kollegen aus der Branche vor drei Jahren, wie vieles auch einfacher geworden sei. Der Weg des Manuskripts zum Buch sei erfreulich beschleunigt. Und wenn früher etwa Peter Handke in einem Manuskript Pilze erwähnte, wie in „Mein Jahr in der Niemandsbucht“, 1994 erschienen, und er den Eindruck hatte, da stimme etwas nicht, habe er 300 Seiten zurückblättern und suchen müssen. „Heutzutage gibt man ,Pilz, Champignon‘ ein und ratzfatz hat man das.“ Ob der Lektor nun nicht auch Marketingspezialist oder Produktmanager sei? Man habe auch früher nicht so tun können, als ob einen das Schicksal des Buches auf dem Markt oder in der Presse nichts anginge.

Diplomatie & Schärfe

Der Lektor arbeitet als Dienstleister in zwei Richtungen: Er dient dem Autor und dem Verlag mit dem Ziel, das Bestmögliche aus einem Manuskript herauszuholen. Und da Schriftsteller sensible Geschöpfe sind, die Zweifel am Satzbau auch als Kritik am Werk auffassen können, braucht der Lektor neben dem Wissen über Literatur diplomatisches Geschick. So etwa kam Fellinger zu Thomas Bernhard: Der wollte nicht mehr vom Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld (1924–2002) selbst betreut werden. Ein Cheflektor hat das Profil eines Verlags zu schärfen und zu weiten, weshalb Fellinger sich nicht nur für seinen hochliterarischen Handke einsetzte, der schließlich den Nobelpreis bekam, sondern auch für die intelligenten Krimis eines Friedrich Ani.

Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erzählte Fellinger einmal, die größte Zäsur sei für ihn gewesen, sich mit 16 Jahren von Fußball und „intensivster“ Leichtathletik ab- und dem Lesen zugewandt zu haben. Davon profitieren bis heute ungezählte Leserinnen und Leser, auch dadurch gedieh die vielbeschworene „Suhrkamp-Kultur“. Wie der Verlag am Montag mitteilte, ist Raimund Fellinger am Samstag im Alter von 68 Jahren in Frankfurt gestorben.

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