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Übersetzer Marcus Roloff. Foto: Romanfabrik
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Übersetzer Marcus Roloff.

Beat-Poesie

Peter Orlovsky: Ahnungsvoll im Land der Dämlichkeit

  • VonStefan Michalzik
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Ein Abend um Peter Orlovsky, das Geheimherz der Beat-Poeten im Stream der Romanfabrik. Sein Übersetzer Marcus Roloff gibt Auskunft.

Hierzulande wie auch in den USA ist Peter Orlovsky ein weithin unbekannter Dichter. Patti Smith hat ihn das „Geheimherz“ der Beat-Poeten genannt, doch er stand immer im Schatten von Alan Ginsberg. Dabei ist sein Werk unbedingt der Entdeckung wert. Ginsberg hatte er 1954 in San Francisco kennengelernt, die beiden waren eines der ersten offen schwulen Paare in den USA und sie tanzten gemeinsam öffentlich nackt. Vierzig Jahre lang, bis zu Ginsbergs Tod, lebten sie zusammen.

Im vergangenen Jahr erschien in der Reihe „Heartbeat“ des kleinen, im niedersächsischen Wenzendorf ansässigen Verlags Stadtlichter Presse der verdienstvolle zweisprachige Band „Sauber abgewischt“. Enthalten ist eine Auswahl aus der 1978 in San Francisco erschienenen Sammlung „Clean Asshole Poems & Smiling Vegetable Songs 1957-1977“. Im Livestream der Frankfurter Romanfabrik ging es nun um Leben und Werk des 2010 verstorbenen Dichters. Der „Sauber abgewischt“-Übersetzer Marcus Roloff, der als Lyriker in Frankfurt lebt, und Fischer-Lektor Hans-Jürgen Balmes, von dem das Nachwort stammt, unterhielten sich mit Michael Hohmann.

In gewisser Weise, so Balmes, sei Orlovsky ein surrealistischer Dichter, nicht jedoch im Sinne der Pariser Surrealisten. Bilder kippen in einer surrealistischen Verfremdungstechnik um, etwa wenn vom Gebrauch einer Schreibmaschine als Kopfkissen die Rede ist. Viel Witz bescheinigte Hohmann Orlovsky treffend, ein Spiel mit den Binnenreimen. Alles sei locker gefügt, so wieder Roloff, formal offen: „Er erzählt schlicht in Versform.“

Im Vergleich zur musikaffinen Lyrik Ginsbergs, erklärte Balmes, sei die Orlovskys spröde. Wo ein Rhythmus zu erkennen sei, werde er gleich wieder gebrochen. Die Poeme seien autobiografisch motiviert, doch während ein Jack Kerouac andere bloßstelle, bleibe Orlovsky diskret. Warm sein Ton, gerade auch, wenn es um psychisch kranke Menschen wie seine Mutter und seine Geschwister geht. Oder um Patienten in der psychiatrischen Anstalt, in der Orlovsky früh als Pfleger/Wärter arbeitete, um den Lebensunterhalt für die Familie um die alleinerziehende Mutter zu sichern.

Bei der Übersetzung – „immer eine Gratwanderung“ –, so Roloff, gelte es, nah dran zu bleiben, genau herauszufinden, was der Dichter gemeint habe. „Operation Traurigkeit im Land der Dämlichkeit“. Leicht mache es einem die deutsche Sprache nicht: Im Englischen gehe alles so gut, so knapp, „es sitzt einfach“.

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