Perfekter Begleiter für herbstliche Nachmittage

Meine Vorstellung von einem perfekten Nachmittag setzt recht zwingend meine Anwesenheit in einem Kaffeehaus in Buenos Aires voraus, dazu eine Tasse Kaffee, Menschen, die vor bodentiefen Fenstern die Straßen entlang laufen. Und ein Buch mit Erzählungen von Julio Cortázar. Egal welches, egal welche. Wenn es die Zeit dann noch zulässt abzuwarten, bis mich der Name einer Straße, die Nummer einer Buslinie anspringt und ich mich mit gesetzten Seitensegeln durch die Stadt treiben lassen kann, dann präsentiert sich das Leben auf eine Weise, dass ich aufpassen muss, an der nächsten Ecke nicht vor Dankbarkeit in Tränen auszubrechen.

Von Karin Ceballos Betancur

Meine Vorstellung von einem perfekten Nachmittag setzt recht zwingend meine Anwesenheit in einem Kaffeehaus in Buenos Aires voraus, dazu eine Tasse Kaffee, Menschen, die vor bodentiefen Fenstern die Straßen entlang laufen. Und ein Buch mit Erzählungen von Julio Cortázar. Egal welches, egal welche. Wenn es die Zeit dann noch zulässt abzuwarten, bis mich der Name einer Straße, die Nummer einer Buslinie anspringt und ich mich mit gesetzten Seitensegeln durch die Stadt treiben lassen kann, dann präsentiert sich das Leben auf eine Weise, dass ich aufpassen muss, an der nächsten Ecke nicht vor Dankbarkeit in Tränen auszubrechen.

Wir sind in dieser kleinen Reihe bisher sehr gut ohne Pablo Neruda ausgekommen. Aber wenn es um die Erzählungen von Julio Cortázar geht, drängt sich dann doch ein Zitat auf: „Wer diese Erzählungen nicht liest, ist verloren. Sie nicht zu lesen, ist eine schwere, schleichende Krankheit, die mit der Zeit schreckliche Folgen haben kann. Ähnlich wie jemand, der nie einen Pfirsich gekostet hat. Er würde langsam melancholisch werden und immer blasser, vielleicht würden ihm nach und nach die Haare ausfallen.“

Cortázars Erzählungen, die der Suhrkamp Verlag in einer sehr preiswerten vierbändigen Taschenbuch-Gesamtausgabe anbietet, sind eine Offenbarung. Fantastisch, witzig, surreal, schaurig, überbordend, elegant und immer, immer auf eine Weise klug und zugewandt, dass es schwer fällt, sich nicht auf der Stelle in den Autor zu verlieben.

Pünktlich zur Buchmesse hat die Büchergilde Gutenberg im Rahmen ihrer „Tollen Hefte“ (die genau so toll sind, wie ihr Name vermuten lässt) die eher düstere „Erzählung mit einem tiefen Wasser“ aufgelegt, hervorragend illustriert von Franziska Neubert. Der perfekte Begleiter für einen herbstlichen Nachmittag, sogar im Frankfurter Nordend.

Julio Cortázar: Erzählung mit einem tiefen Wasser. Aus dem Spanischen von Wolfgang Promies. Mit vierfarbigen Original-Flachdruckgrafiken von Franziska Neubert und einer Beilage. Edition Büchergilde, Frankfurt 2010, 32 Seiten, 16,90 Euro. Erhältlich ab September.

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