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Deniz Yücel als PEN-Präsident zurückgetreten und bezeichnet Verein als „Bratwurstbude“

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Von: Nadja Austel

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PEN Präsident Deniz Yücel sitzt auf einem schwarzen Ledersessel vor einem blauen Vorhang. (Symbolbild)
47 PEN-Mitglieder haben Anträge auf Abberufung des Präsidenten, Yücel, sowie des Vizepräsidenten und des Schatzmeisters gestellt. (Symbolbild) © IMAGO/Ying Tang

Die Streitigkeiten innerhalb der Schriftstellervereinigung PEN um die Personalie Yücel hat der Betroffene wohl selbst beendet.

+++ 21.45 Uhr: Yücel äußerte sich auf Twitter zu seinem Rücktritt als Vorsitz der Schriftstellervereinigung PEN Deutschland. Zwar sei am Freitag ein Abwahlantrag gegen ihn „knapp gescheitert“, erklärte Yücel auf Twitter. „Trotzdem bin ich kurz danach von meinem Amt als Präsident zurückgetreten und habe meinen Austritt aus dieser Bratwurstbude erklärt.“

+++ 20.40 Uhr: Der Journalist Deniz Yücel ist überraschend als PEN-Präsident zurückgetreten. Zugleich kündigte er seinen Austritt aus der Schriftstellervereinigung an. Zuvor war sein Abwahlantrag knapp abgelehnt worden. Hintergrund sind interne Querelen in der Führungsriege der Schriftstellervereinigung. 

Querelen bei PEN: Abstimmung über Vorsitzenden Deniz Yücel

Erstmeldung: Gotha – Deniz Yücel, Präsident des deutschen Zentrums der internationalen Schriftstellervereinigung PEN, muss um seinen Posten bangen. „Umgangsstil, Sprache und Herrscherallüren“ innerhalb der Spitze des deutschen Präsidiums hätten für Erschrockenheit unter den Mitgliedern gesorgt, so lautet es im Antrag auf Abberufung der Führungsriege. 47 Mitglieder hatten diesen unterzeichnet, am Freitag, dem 13. Mai, wird innerhalb der Mitgliederversammlung in Gotha hierüber abgestimmt.

Stein des Anstoßes sei zunächst ein umfangreicher Mailverlauf unter den Präsidiumsmitgliedern gewesen, der an Dritte weitergeleitet worden war. Die 47 Antragssteller sahen in den „Querelen“ der Führungsriege eine „tiefgreifende, systemische Störung des Anstands und der Würde des PEN“. Für Unmut sorgte Mitte März allerdings auch, dass Yücel bei der Eröffnung des Literaturfestival lit.Cologne eine Schließung des Luftraums über der Ukraine und das Eingreifen der Nato befürwortet hatte.

Gotha – PEN-Mitgliederversammlung stimmt über Präsident Deniz Yücel ab

Dieser kritischen Seite steht ein Antrag von 61 Mitgliedern gegenüber, Yücel und seinen Präsidiumskollegen das Vertrauen auszusprechen. „Entgegen den Behauptungen einiger Mitglieder stellen wir fest, dass dieses Präsidium in seiner Mehrheit harmonisch, demokratisch und erfolgreich im Sinne der Charta des PEN für bedrohte und verfolgte Kolleg:innen arbeitet“, heißt es in diesem Antrag. „Zugleich sind wir darüber erfreut, dass der PEN mit seinem Einsatz für die Freiheit des Wortes heute in der Öffentlichkeit so präsent ist wie schon sehr lange nicht mehr.“

Darüber hinaus stellte ein Mitglied den Antrag, den Generalsekretär des Verbandes abzuberufen, weil er „interne und somit vertrauliche Mails des Präsidiums an Dritte weitergeleitet“ habe. Das Zerwürfnis wird somit unweigerlich die Mitgliederversammlung bestimmen, in deren Mittelpunkt laut Plan die Unterdrückung der Menschenrechte in Belarus und der Krieg Russlands gegen die Ukraine stehen soll. 

Gotha: Yücel möchte den „Vereinsknatsch“ im PEN intern klären

Die Versammlung findet im Rahmen der PEN-Jahrestagung in Gotha statt. Etwa 130 Literaturschaffende aus ganz Deutschland haben sich für die viertägige Konferenz angemeldet, wie ein Sprecher des Verbandes mitteilte. Neben der Abstimmung vor Ort können Mitglieder auch online ihr Votum abgeben, so heißt es.

In seinem Grußwort würdigte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Rolle der Literaturschaffenden als Brückenbauer zwischen den Kulturen. Literatur verbinde die Menschen weltweit und stimuliere eine weltumspannende Kommunikation. Sie schaffe dadurch ein Zusammengehörigkeitsgefühl über Grenzen hinweg, betonte Ramelow. Zu hoffen bleibt, dass dieses auch innerhalb der Vereinsgrenzen wiederhergestellt werden kann.

Yücel selbst hatte in einem Interview mit der Zeit geäußert, seine persönliche Meinung in Bezug auf den Ukraine-Krieg müsse von seiner Funktion als PEN-Präsident getrennt betrachtet werden. Eine andere Ebene des Disputs sei „Vereinsknatsch“ den er intern klären wolle. (na/dpa/afp/epd)

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