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Fotoband

Paul McCartney, fotografiert von Harry Benson: Der Langzeitgenosse

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Ein edler Fotoband zeigt Paul McCartney, den Beatle, den Familienvater und den ehemaligen Klassenkameraden, den wir gern gehabt hätten.

Wie kaum ein anderer unter den Lebenden und Unermüdlichen ist Paul McCartney ständig in zwei Versionen vorhanden, mindestens. Wer Paul McCartney denkt, sieht einen jungen, fast immer belustigten Sänger mit einer Höfner-Bassgitarre, die in die falsche Richtung zeigt. Und sieht einen keineswegs alten, immer noch belustigten Sänger, dessen Stimme und dessen Linkshänder-Instrumente, inzwischen oft auch die Sechssaitige, sein Leben begleitet haben und zugleich, so intensiv, unseres.

In einem Jahr wird McCartney, der Langzeitgenosse, achtzig. Warum nicht jetzt schon, ehe der Ansturm der Jubiläumsbücher und Jubiläumstonträger kommt, einen Bildband veröffentlichen, der fast sein halbes Leben zeigt, drei Jahrzehnte in drei prägenden Abschnitten?

Harry Benson, Schotte, 91, hat sämtliche US-Präsidenten seit Dwight D. Eisenhower fotografiert (das sind 13, bis jetzt), und er hat viel Zeit mit den Beatles verbracht, mit den Wings, mit Paul McCartney und dessen Familie. Wem sonst sollte man glauben, wenn er sagt: „Ich konnte ein Foto von drei der Beatles machen, aber Paul musste immer einer davon sein. Ihn sah man immer als Erstes – er brachte Bewegung ins Bild.“

Die Fotos der Band sehen dann gleich anders aus, wenn man sie mit Harry Benson im Kopf anschaut. „Er war der Magnet“, schreibt er im Vorwort auf Englisch, Französisch und Deutsch, „er war derjenige, den man ansah, derjenige, der die Stimmung der Situation transportierte.“ Eine fotografierte Kissenschlacht: „Ohne Paul wären es vier junge Männer mit Kissen“, oder eben drei, oder man bäte noch einen dazu, „aber er stellt sich hin und gibt dem Bild seine Stimmung.“

Das Buch

Harry Benson / Reuel Golden: Paul. Hardcover in einer Acrylbox. Taschen Verlag, Köln 2021. 172 Seiten, 600 Euro.

Normalerweise wäre Benson 1964 für den „Daily Express“ nach Afrika geflogen. Am Abend vor der Abreise klingelt das Telefon, und der Pressefotograf erfährt: nicht Afrika, sondern Paris – die Beatles ablichten. Begeistert ist er nicht. Noch nicht. Der Auftrag, schreibt er heute, habe sein Leben verändert.

Die etwa 150 Fotos im Buch erzählen davon. Sie zeigen so viel Paul, gebündelt, intensiv wie selten zuvor. Wenn er mit den Beatles zu sehen ist, auf der Bühne, zwischen Bergen von Fanpost, bei Filmaufnahmen, auf Flughäfen, beim Komponieren mit John Lennon und bei der Kissenschlacht – tatsächlich, dann ist es stets McCartney, der die besondere Geste macht, den Gesichtsausdruck, etwas, das den Blick auf sich zieht. „Für mich war Paul ohne Frage der fotogenste Beatle“, schreibt Benson.

Erstes Auftauchen in New York, Februar 1964.

Ob er auch das fotogenste Mitglied seiner Familie war, das liegt im Auge der Betrachtenden. Da konkurriert im zweiten Teil, „Wild Life“, etwa Tochter Mary, die den Papa 1975 mit einem Stück Toast füttern will. Oder Linda McCartney, selbst Fotografin, die in East Sussex 1992 barfuß auf einem Schimmel reitet, während sich Paul aus dem Hintergrund nähert.

Viel Nähe ist da zu sehen, viel Mensch. Vielleicht ist es das, was Paul McCartney so präsent macht über all die Jahre: dass er wirkt wie einer, mit dem man die Schulklasse geteilt haben könnte, wenn man zufällig aus Liverpool stammte, ein Klassenkamerad, an den man sich gern erinnerte. Einer, der nach all den Jahren heimkehrt, so wie unlängst mit dem verrückten Showmaster James Corden, und den Ansturm der aus dem Häuschen geratenden Fans kumpelhaft moderiert, als wäre das eine amüsante zufällige Begegnung mit alten Freunden. Vielleicht ist er aber auch für immer solch ein besonders vertrauter Beatle, weil es eben nicht mehr allzu viele Beatles gibt.

Linda und Paul auf dem Weg zum Flughafen, New York, Mai 1976.

Der dritte Teil des Buchs, „Band on the Run“, zeigt die Phase nach den Fab Four. 70er Jahre, lange Haare, Schlaghosen, USA-Tournee, die erste nach zehn Jahren. Harry Benson ist Teil der Crew. „Er zählt zu den größten Talenten auf dieser Welt, und er ist doch auf irgendeine Weise rätselhaft“, schreibt Benson über Paul McCartney. „Es ist ihm gelungen, trotz seiner ungeheuren Berühmtheit ein relativ normales Leben zu führen, und davor habe ich Respekt.“

Der Bildband, herausgegeben von Reuel Golden, dem ehemaligen Chefredakteur des „British Journal of Photography“, erscheint in limitierter Auflage von 600 Exemplaren, nummeriert und von Harry Benson signiert – er kostet 600 Euro. Wer noch mehr hätte investieren wollen: „Paul“ gab es auch in zwei Art-Editionen, Nummern 1 bis 50 („A Hard Day’s Night“) und 51 bis 100 („Wings Backstage“) zu je 3000 Euro. Die sind ausverkauft.

Rubriklistenbild: © Harry Benson

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