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Die Pastrami-Sandwich-Familie

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Etgar Keret, der in seinem neuen Buch "Die sieben guten Jahre" vom Vatersein erzählt.
Etgar Keret, der in seinem neuen Buch "Die sieben guten Jahre" vom Vatersein erzählt. © imago/Pixsell

Der israelische Autor Etgar Keret erzählt in seinem autobiografischen Buch "Die sieben guten Jahre" heitere, aber auch quälende Vater-Sohn-Geschichten.

Von Susanne Lenz

Einem Mann wird der erste Sohn geboren, und er beginnt über seine Rolle als Vater zu schreiben. Solche Bücher gibt es einige, aber Etgar Keret, Jahrgang 1967, lebt in Israel, und als er vor dem Kreissaal in einem Tel Aviver Krankenhaus sitzt, werden auf der Intensivstation gerade die Opfer eines Terroranschlags versorgt. Ein Radioreporter erkennt ihn und spricht ihn an, in der Hoffnung, einen originellen O-Ton zu bekommen: „Lass dir Zeit, du musst ja traumatisiert sein.“ Er ist dann enttäuscht, weil Keret nur im Krankenhaus ist, weil seine Frau ein Kind bekommt.

Seinem frischgeborenen Sohn Lev verspricht der Schriftsteller später, dass im Mittleren Osten alles geklärt sein wird, wenn er selbst einmal groß ist. Es ist eine der Lügen, die man seinen Kindern erzählt. In Israel scheinen es noch ein paar mehr zu sein als anderswo in der Welt.

Privat geht vor Katastrophe – dieser Spruch funktioniert in diesem Land nicht. Das eigene Leben und das Unglück draußen sind miteinander verwoben, man kann nichts dagegen tun. Davon erzählen die autobiografischen Vater-und-Sohn-Geschichten Kerets in leichtem, ironisch-humorvollen Ton. „Sag mal“, fragt eine Mutter Etgar Keret auf dem Spielplatz, „wird Lev in die Armee eintreten, wenn er groß ist?“ Lev ist da zwei Jahre alt, und Keret kommt es ein bisschen früh vor, sich darüber Gedanken zu machen.

Über anderes dagegen denkt Etgar Keret sehr wohl nach, etwa darüber, wie man die unvermeidbaren Unglücke und Katastrophen verbrämen, wie man sie für sein Kind verkleiden kann. Als eine Sirene erklingt, die vor den Raketen der Hisbollah warnt, spielen sie Pastrami-Sandwich, statt sich einfach auf den Boden zu werfen: Mama ist unten, Lev in der Mitte und Papa oben. Wie lustig! Und wie quälend!

Etgar Keret ist auch Sohn. Sein Vater hat Krebs, er wird sterben, und das ist traurig, aber es ist der Lauf der Welt. Doch in Israel ist selbst das ein wenig anders. Wer den Holocaust überlebt hat, für den ist am Leben zu sein ein Sieg, und das Sterben ist noch schwerer zu akzeptieren als für alle anderen.

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