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Der Pinguin will immer nur fernsehen ...

Kinderbuch

Papa hat noch zu tun

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Eine großartige Home-Office-Geschichte für Eltern und Kinder.

Es ist nicht so, dass nicht auch schon vorher Eltern zu Hause gearbeitet hätten. Schwierig! Hier zum Beispiel der Vater von Mika, der offenbar etwas fertig bekommen muss, das seinen Tisch in eine Mischung aus Computerarbeitsplatz und Chemielabor verwandelt. So sind die berufstätigen Erwachsenen, kein vernünftiger Mensch versteht genau, was sie eigentlich tun. Aber es ist wichtig und eilig.

Das Buch

Constanze Spengler (Text) / Katja Gehrmann (Ill.):: Seepferdchen sind ausverkauft. Moritz, Frankfurt a. M. 2020. 48 S., 14 Euro.

Die tollkühne Kettengeschichte „Seepferdchen sind ausverkauft“, erdacht zusammen von Constanze Spengler, die dann den Text schrieb, und Katja Gehrmann, die das zutiefst fidel illustrierte, passt grandios in diese Tage. Sie spielt aber vorher. Darum kann Mika, die in Sachen Badesee vertröstet wird, in einen Tierladen gehen und eine Wüstenrennmaus kaufen. Topseriös ruft der Tierverkäufer sogar noch bei Mikas Vater an, der aber gleich alles erlaubt. Abgelenkte Erwachsene, sie sind zuweilen Gold wert. Mika hat kurzum bald außerdem einen kleinen Hund, einen weniger kleinen Seehund, einen Pinguin. Dann noch einen Papagei. Schließlich einen Elefanten. Dafür, so ist das in Kettengeschichten, gibt es immer einen plausiblen Grund, eins ergibt sich praktisch zwingend aus dem anderen.

Sich mit so vielen Tieren nicht zu langweilen, ist relativ einfach. Man plantscht in der Wanne, und weil der Pinguin gerne fernsieht, hängt man auch viel vor der Glotze. Als Papa aber mit der Arbeit fertig ist und am Sonntag endlich zum Badesee fahren kann, entspinnt sich folgender Dialog: „Aber nur, wenn meine Tiere auch mitdürfen!“ – „Welche Tiere?“, fragt Papa.

„Seepferdchen sind ausverkauft“ geht aber definitiv gut aus, in einer hinreißend leichtfertigen Art, wie es nur im Bilderbuch möglich ist. Auch darum haben Spengler und Gehrmann vermutlich Tiere gewählt, die nicht zur Nachahmung einladen. Das ist ein lebenszugewandtes Märchen, in dem der Unfug einfach Spaß machen darf. Im Kern erzählen die Autorinnen aber auch von dieser seltsamen Trennwand zwischen der Kinder- und Erwachsenenwelt. Mitlesende Eltern werden Papa in seinem Arbeitswahn mögen und ohnehin mit ihm sympathisieren. Kinder werden Träume von spektakulären Tieranschaffungen träumen. Es gibt kein Zueinander, aber man kann sich trotzdem lieb haben und gelegentlich gemeinsam im Badesee herumpaddeln. (Ab fünf Jahren.)

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