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Ein paar Buhs und viele Bücher

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Bestsellerautor Ken Follett mit Buchmesse-Winken.
Bestsellerautor Ken Follett mit Buchmesse-Winken. © dpa

Die Lesereihe „Open Books“ wird mit Buchpreisträger Lutz Seiler, Ken Follett, John Burnside und Marlene Streeruwitz eröffnet. Moderator Wolfgang Herles vergreift sich dabei leicht im Ton und wird am Ende ein bisschen ausgebuht.

Die Eröffnung der „Open Books“, der die Frankfurter Buchmesse in der Innenstadt begleitenden Lesereihe, gestaltete sich eingangs etwas aufgeregt. Moderator Wolfgang Herles sprach im Chagall-Saal des Frankfurter Schauspiels mit dem Buchpreisträger Lutz Seiler, vergriff sich leicht im Ton – nannte eine billige Antwort, was höchstens eine recht und billige war: das stehe im Buch – und fragte dann, ob es ein richtiges Leben im Falschen geben könne. Im Falschen im Sinne von: in der DDR. Das ist nun keine sinnvolle Frage (vielleicht ein Missverständnis?), erst recht nicht, wenn man eben „Kruso“ gelesen hat. Wenigstens wurde vorm 25. Jahrestag des Mauerfalls noch einmal geklärt, was ein Besserwessi ist.

Im Publikum murrte und knurrte es, und dann wurden halbkluge Sachen gerufen, z. B. nach „mehr Empfindsamkeit“. Und Herles rief, man könne jetzt natürlich auch empfindsam sein und Gedichte vorlesen. Und da müsste man als Lyriker im Grunde schon aufstehen und weggehen. Seiler blieb aber die Ruhe selbst. Er sagte „Es gibt vor allem ein Leben“, und das sei doch immer erzählenswert. Der Moderator wurde am Ende ein bisschen ausgebuht. Eine Rarität bei Autorengesprächen. Buhende Menschen sollten sich grundsätzlich schämen. Man darf eine solche Situation aber auch nicht mit einer Debatte verwechseln.

Teuflisch aufpassen

Der Brite Ken Follett, dessen so anders gearteter Roman „Kinder der Freiheit“ gleichfalls in Teilen vor der Wende spielt, erklärte, wie teuflisch man aufpassen müsse, zeitgeschichtliche Details korrekt aufzuschreiben. Es sei ungleich leichter, über das Mittelalter zu schreiben, meinte Follett. Das bestätigte Ulla Hahn mit Blick auf ihren autobiografisch grundierten Roman „Spiel der Zeit“, der in die Umbrüche der späten sechziger Jahre führt. „Ich war mir nicht bewusst, dass ich einen historischen Roman schreibe“, sagte sie aber auch. Den Spruch „Schlagt die Germanistik tot, färbt die blaue Blume rot“ im Kopf zu haben und kürzlich in Heidelberg einen Germanistenchor zu hören, der die Hymne der Universität Heidelberg vorgesungen habe, das mache ihr doch klar, wie lange das alles her sei.

Der Schotte John Burnside (ein dritter Lyriker, der mit einem Roman, „Haus der Stummen“, zu Gast war) zeigte sich zufrieden darüber, in den vergangenen bewegten Wochen nicht in Schottland, sondern Berlin gewesen zu sein. Nicht zur Frage der schottischen Unabhängigkeit, aber mit Blick auf die Initiatoren des Referendums sagte er: „Mit diesem Quatsch will ich nichts zu tun haben.“

Die ganzen reizenden Alten

Die Österreicherin Marlene Streeruwitz hob hervor, dass ihr Roman „Nachkommen“ den Literaturbetrieb vor allem in den Mittelpunkt stelle, weil er ihr am vertrautesten sei. Es sei ihr aber eigentlich darum gegangen, „eine sehr junge Person bei ihren ersten Erfahrungen zu beobachten“. Keinen guten. „Die ganzen reizenden Alten auf den Partys (der Frankfurter Buchmesse) haben den Literaturbetrieb nicht fürsorglich behandelt. Was finden die denn vor, die nachkommen?“

Anschließend strebten die reizenden Alten und die Nachkommen auf die ersten Partys der beginnenden Messe.

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