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Onkel F.

  • VonChristoph Schröder
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Patricia Dunckers Rätsel

"Wenn man schreiben will, muss man lesen", sagt Patricia Duncker. Das kann aber auch zum Problem werden. Gerade wenn man, so wie sie, Literaturwissenschaften lehrt und gleichzeitig Romane verfasst. Dann drohen nicht selten Bildungsballast und bedeutungsschwere Überinstrumentierung. Patricia Duncker jedoch schreibt zwar kluge Romane, dick unterfüttert mit literarischem Subtext, gebildet und Theorie bewandert. Vor allem aber ist die auf Jamaika geborene und in England lebende Schriftstellerin eine Meisterin des Suspense, der bedrohlichen Atmosphäre, der psychologischen Figurenführung, der planvollen Identitätsverwirrung, kurz: eine großartige Autorin, die an den "menschlichen Abgründen, an den dunklen Seiten der Seele" (Duncker über Duncker) interessiert ist.

So auch in ihrem neuen Roman Der tödliche Zwischenraum, ihrem dritten, wie seine Vorgänger im Berlin Verlag erschienen und von der Autorin (in perfektem Deutsch) in der Frankfurter Ypsilon-Buchhandlung vorgestellt. Ein geheimnisvoller Mann dringt in das heile, wenn auch ungewöhnliche Familienleben des 18-jährigen Toby ein. Bislang lebte er mit seiner Mutter, seiner Tante und deren Lebensgefährtin in einer englischen Kleinstadt, ein glückliches Matriarchat. Nun kommt Roehm dazu, eine dunkle Bedrohung, nicht einzuschätzen und ungreifbar, der neue Freund der Mutter. Es beginnt ein Wechselspiel zwischen Faszination und Widerwillen, Anziehung und Eifersucht.

Toby wird zum Spion. Er durchsucht das Telefonverzeichnis seiner Mutter, telefoniert Menschen hinterher, versucht mit seiner Tante, Roehm auf die Spur zu kommen. Ist er ein Dieb? Ein Agent? Sind die "verdächtigen" Entdeckungen Projektion oder Realität? Warum trennt Roehm sämtliche Schilder aus seiner Kleidung? Um welche Art von Labor handelt es sich bei seinem Arbeitsplatz? Selbstverständlich behielt Patricia Duncker alle Auflösungen für sich, doch immerhin verriet sie, dass unter anderem Mary Shelleys Frankenstein für den Roman Pate stand.

Die (leider zu kurzen) Passagen, die Duncker vorlas, waren in jedem Fall geeignet, das (grundlos) paranoide Grundgefühl ihrer Figuren auszustellen: "Am unheimlichsten ist es, wenn alles in Ordnung ist und doch nichts stimmt." Die örtliche Stimmigkeit hingegen sei ungeheuer wichtig: Für ihre Recherchen hat Patricia Duncker fünf Bodenseerundfahrten an fünf aufeinander folgenden Tagen unternommen - ein Umstand, der sie für die Anwohner selbst zur mysteriösen Figur gemacht hat. Ihr nächster Roman soll in der Sahara spielen; der Reisetermin steht bereits fest. Auch wenn der Veranstalter sich kürzlich von "Dschihad Journeys" in "Panorama Journeys" umbenannt habe. Vielleicht ist aber auch diese Anekdote wieder nur eine der fiktiven Dunckerschen Realitäten?

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