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Der nützliche Mann

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FILE - epa04789492 US writer Donna Leon poses for the photographer during an interview with Spanish press agency Agencia EFE in Madrid, Spain, 08 June 2015. EPA/JUAN CARLOS HIDALGO (zu dpa-Literaturdienst vom 31.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
FILE - epa04789492 US writer Donna Leon poses for the photographer during an interview with Spanish press agency Agencia EFE in Madrid, Spain, 08 June 2015. EPA/JUAN CARLOS HIDALGO (zu dpa-Literaturdienst vom 31.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ © Juan Carlos Hidalgo (EFE)

Diese Woche erscheint der 25. Fall für Commissario Brunetti auf Deutsch – Erfolgsautorin Donna Leon, die gerne von ihrer Milchkuh zu sprechen pflegt, wird da kaum sentimental werden.

Von Petra Pluwatsch

Ein lauer Wintertag in München, ein Hotel mitten im Rotlichtviertel der Stadt. Im Foyer, in einem viel zu großen Sessel, Donna Leon. Klein, zierlich, weiße Haare, schwarze Augen. Wir reden über Männer. Besser: Wir reden über einen Mann, den wichtigsten in Donna Leons Leben: über Commissario Guido Brunetti, Ermittler in Venedig. Feingeist. Genießer. Vater von zwei halbwüchsigen Kindern.

19 Brunetti-Krimis hat die Amerikanerin aus New Jersey zu diesem Zeitpunkt bereits geschrieben. Sechs weitere sind inzwischen dazugekommen. Diese Woche ist der 25. Brunetti-Band erschienen: „Ewige Jugend“. Ein Jubiläum, das ohne Sentimentalitäten auskommen dürfte. „Brunetti ist meine Milchkuh“, sagte Donna Leon damals noch im Gespräch. „Er bringt das Geld rein, das ich für meine Musikprojekte brauche“: Unter anderem unterstützt sie das Ensemble Il complesso barocco von Alan Curtis.

1993 schickte die Wahlitalienerin ihren smarten Brunetti das erste Mal ins Rennen. „Venezianisches Finale“ wurde ein Megaerfolg. Mag sein, dass das am Tatort lag: Der Krimi spielt im berühmten Opernhaus Teatro La Fenice. Mag sein, dass der eher verhaltene Auftritt des Commissario die von zahllosen Schwedenkrimis zermürbte Leserschaft auf Anhieb einnahm. „Er ist ein redlicher und intelligenter Mann“, charakterisiert die Autorin ihren Protagonisten. Einer, mit dem sie die Stunden verplaudern könnte.

Am Anfang stand ein Zufall

Ein Gespräch mit Freunden über einen berühmten Dirigenten habe sie damals zu jenem ersten Krimi animiert – ein Zufall, für den Millionen Leser ihr bis heute dankbar sind. „Auf einmal hatte ich die Idee, den Mann in seiner Umkleidekabine ermorden zu lassen.“ Seitdem hat Brunetti vor vielen Leichen gestanden: vor denen von Prostituierten und Strichjungen, von steinreichen Adeligen und armen Schluckern, die das Leben schon lange vergessen hat.

Der Schauplatz ist stets Venedig, seine Paläste, Brücken und Kanäle, vom Zerfall bedroht und so morbide schön, dass es inzwischen zwei Reiseführer auf den Spuren Brunettis gibt: „Ein kleines Kompendium für Spurensucher: Mit einem detaillierten Stadtplan“ und „Mit Brunetti durch Venedig“. Längst ist der Mann, den Joachim Król und Uwe Kockisch in der TV-Serie so unterschiedlich verkörperten, zu einer Marke geworden, mit der sich trefflich werben lässt. Selbst ein Kochbuch ist ihm, der selbst nicht kochen kann, gewidmet: „Bei den Brunettis zu Gast: Rezepte von Roberta Pianaro und kulinarische Geschichten von Donna Leon.“

Einen anderen Ermittler zu erfinden, liege nicht in ihrem Interesse, beteuert die Autorin. „Ich beschäftige mich mit einer Sache, und die mache ich gut.“ So liegt der Reiz vor allem in der Wiederholung: gleiche Schauplätze, gleiches Personal. Manch einer mag das langweilig finden. Für Guido Brunetti, die ganz krisenfreie Milchkuh der Donna Leon, ist es ein Erfolgsgarant.

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