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Norbert Gstrein liest in Frankfurt aus „Der zweite Jakob“

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Von: Stefan Michalzik

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Der österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein stellt in der Romanfabrik Frankfurt sein jüngstes Werk vor.

Jakob Thurner ist privilegiert bis zum Gehtkaummehr. Ein Vermögen aus Schwarzgeld von der Großmutter lagert verschwiegen im Banktresor, arbeiten müsste er nicht, ist aber ein bekannter Filmschauspieler. Konflikte löst er gelegentlich mit der Faust. Mit den Worten seines Erfinders, des österreichischen Schriftstellers Norbert Gstrein gesprochen: Sympathisch ist er nicht. „Das soll er auch nicht sein. Es gibt zu viele sympathische Figuren in Romanen“.

Mit gutem Grund stand der Roman „Der zweite Jakob“, aus dem Gstrein in der Frankfurter Romanfabrik las – mit einer triftigen Befragung durch deren Leiter Michael Hohmann im Anschluss –, 2021 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Außergewöhnlich die Technik, mit der das Leben eines Mannes, der kurz vor seinem 60. Geburtstag steht, besichtigt wird.

Der Roman, so Hohmann, entwickle sich aus der Fernperspektive eines Biographen hin zu einer intimeren Sicht und schließlich „zurück zu den Quellen“ – zum ersten Jakob, einem Onkel, der als Sonderling gilt und zur Familie, Hotelbesitzern in einem Touristenort. Die Frage der Tochter nach dem Schlimmsten, was er im Leben getan habe, eröffnet den Blick auf Dinge in lange zurückliegender Vergangenheit, ein schreckliches Ereignis am Rande eines Drehs nahe der US-Grenze zu Mexiko.

Jakob, so Gstrein, habe ein Problem mit seiner Identität. Von seiner Herkunft habe er sich nie richtig distanziert, zugleich seine Tochter von Ort und Familie ferngehalten. „Was das moralische Empfinden betrifft, ist das eine sehr problematische Figur.“ Treffend aber auch Hohmanns Hinweis, dass in diesem Buch ein beträchtliches Maß an Humor steckt.

Jakob Thurners echter Nachname, den man nicht erfährt, beginnt ungriffigerweise mit vier Konsonanten. Derartige Spuren, so Gstrein, lege er gerne, um in die Falle zu locken. Denn: Hinter der Figur stecke eben nicht der Autor. Früher, erklärte er, habe er zuerst zwei Jahre recherchiert, heute setze er etwas in die Landschaft (den Anfang eines Buches), „und das wird dann ausgeführt“.

An den Schluss hängt Gstrein zwei „Nachklappgeschichten“ an. In der einen sieht sich der Schauspieler mit einer medizinischen Diagnose konfrontiert, im zweiten lernt er eine sehr viel jüngere Frau kennen. Auf die Frage aus dem Publikum, ob das nicht eine Altmännerphantasie sei, erwiderte Gstrein, in der Begegnung mit dieser jungen Schauspielerin werde die Schwäche, die „Geduldetheit“ dieses „alten Idioten“ deutlich.

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