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Miku Sophie Kühmel: „Triskele“ - Noch im Fremden ganz vertraut

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Miku Sophie Kühmels Drei-Schwestern-Roman „Triskele“.

Auch der zweite Roman von Miku Sophie Kühmel – nach „Kintsugi“, 2019 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis – trägt einen Titel, der apart auf die Form der Geschichte verweist, „Triskele“. Die drei auf die Mitte ausgerichteten Kringel kommen als wiedergefundenes Schmuckstück vor, sind aber vor allem ein Bild für die drei Schwestern, die nach dem Suizid ihrer Mutter Mone Zinnober mit deren Nachlass im Sachsen-Anhaltinischen umgehen und sich neu sortieren müssen. Immens der Altersunterschied zwischen den dreien, die natürlich selbst an Tschechow denken müssen: Mercedes Zinnober, 1972 geboren, die noch in der DDR sozialisiert worden ist; Mira Zinnober, 1988 geboren, die altersmäßig der Autorin, Jahrgang 1992, am nächsten kommt; Matea Zinnober, 2004 geboren, die ihre Schwestern ziemlich alt aussehen lässt. Väter hat es im Leben der drei nie gegeben.

Kühmels Romantitel sind Vorboten von Versuchsanordnungen in geschlossenen (Zeit-) Räumen, diesmal also drei Schwestern, die 2020/21 in und zwischen den Lockdowns selbst in Berlin plausibel unter sich bleiben. Sie erzählen reihum, jedes Kapitel ein neuer Monat und eine andere Erzählerin. Einerseits berichten sie von ihrem Zusammensein – sie sind zusammen, wie vermutlich nur Schwestern zusammen sein können, auch im Einander-fremd-Sein noch so vertraut –, andererseits von sich selbst. Beim Lesen wird man entsprechend in Dinge eingeweiht, die die Schwestern nicht voneinander wissen.

Das Buch

Miku Sophie Kühmel: Triskele. Roman. S. Fischer. 272 S., 23 Euro.

Obwohl der Ton leicht ist, auch leicht sarkastisch, aber nicht dramatisch, zeigt sich dahinter Unausgesprochenes – nur für uns Ausgesprochenes – bis hin zu eigenen Todessehnsüchten. Eine spannende Konstellation, die aus der formal wirkenden Ausgangslage etwas sehr Lebendiges macht. (Marlies Müller)

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