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Thomas Bernhard mit seinem Großvater, dem Schriftsteller Johannes Freumbichler.
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Thomas Bernhard mit seinem Großvater, dem Schriftsteller Johannes Freumbichler.

Thomas Bernhards 90. Geburtstag

Nicolas Mahler: „Thomas Bernhard“ – Wie es sozusagen war

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Der Zeichenkünstler Nicolas Mahler legt Thomas Bernhards „unkorrekte Biografie“ vor.

Zum heutigen 90. Geburtstag Thomas Bernhards, der also ohne weiteres noch am Leben sein könnte, aber mit haarscharf 58 Jahren starb, erscheint bei Suhrkamp auch Nicolas Mahlers „unkorrekte Biografie“. Sie ist wirklich ein bisschen unkorrekt im Detail, im Großen aber steht alles drin, was man unbedingt wissen sollte. Und mehr als das.

Der Wiener Mahler hat schon mehrfach seine Bernhard-Kennerschaft unter Beweis gestellt (2011 erschien der Band „Alte Meister“, 2014 „Der Weltverbesserer“). „Thomas Bernhard“, ein unwiderstehliches Buch, macht aus den unkorrekten Passagen auch keinen Hehl, hinten gibt es nach den „Quellen“ die „Fehlerquellen“. Niemand kann also nachher behaupten, im Ohlsdorfer Vierkanthof habe es „knarzende Geheimtüren“ gegeben, und eine Zeitung habe nach der Uraufführung von „Ein Fest für Boris“ geschrieben: „Mal was Neues.“ Sicherheitshalber stellt Mahler auch klar, dass bei der „Fest für Boris“-Aufführung keine „Fleischklumpen“, sondern „lebende Menschen“ auf der Bühne waren. Vielleicht zeigen diese Beispiele, dass das Unkorrekte in Mahlers „Thomas Bernhard“ gewissermaßen korrekt in einem übergeordneten Sinne sein könnte.

„Thomas Bernhard“ ist ein zutiefst pointierter Gang durch Leben, Denken und Werk. Mahler gibt prägnante Informationen, redet selten dazwischen (der junge Bernhard habe „eine Art Eraserhead-Frisur“ getragen) und lässt vor allem Bernhard selbst erklären (schimpfen, klagen).

Das Buch

Nicolas Mahler: Thomas Bernhard. Die unkorrekte Biografie. Suhrkamp Verlag, Berlin 2021. 126 Seiten, 16 Euro.

Der Blick von oben

Außerdem ist Platz für Siegfried Unselds Leiden an seinem Autor, für Bernhards Schneider oder für die österreichische Politik. Bundeskanzler Fred Sinowatz: „Ich nehme zur Kenntnis, dass Kurt Waldheim nie bei der SA war, sondern nur sein Pferd.“ Nicolas Mahler: „Die Bernhard-Forschung hat mittlerweile herausgefunden: Der Autor hat sein Land und dessen Bewohner gar nicht gehasst, in Wirklichkeit war sein Empfinden viel ambivalenter, manchmal sogar von Anteilnahme und Zartheit durchdrungen.“ Thomas Bernhard: „Die Österreicher sind liab und bleiben blöd.“ Dazu sieht man Bernhard als grimmen Berggipfel auf das knirpsige Wien herniederblicken.

Mahlers weitgehend gesichts-, aber nicht ausdruckslose Figuren sind winzig, ohne süß zu sein. Vieles lässt sich dank der Bernhard-Bilder gut illustrieren. Zum Beispiel: „Die Kindheit ist das finstere Loch, in das man von den Eltern hinuntergestoßen worden ist und aus dem man ohne jede Hilfe wieder herauskommen muss“ („Alter Meister“). Manchmal erkennt man ein Foto wieder – Thomas Bernhard reicht Hedwig Stavianicek auf einer Bank an der Hauswand eine Blume.

Es mag gewagt sein, dass Mahlers „Thomas Bernhard“ die kabarettistische Seite so sehr in den Vordergrund stellt. Bernhard, schimpfend: „In Österreich macht man ja alles Ernsthafte zum Kabarett.“ Bernhard, einlenkend: „Ich bin ja auch ein ernster Mensch, aber nicht ununterbrochen, denn da würde man ja verrückt sein und wär’ außerdem blöd. So ist das.“

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