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Die Verlegerinnen von &Töchter: Jessica Taso (4.v.l.) und Lydia Scherf (3.v.l.) und ihre Kolleginnen

Buchmesse Newcomer

Im Gespräch mit … &Töchter

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Neue Verlagsideen braucht die Branche! Zumindest sehen das fünf Studentinnen aus München so und haben kurzerhand einen eigenen Verlag gegründet, der weit mehr machen soll, als nur Bücher herauszubringen.

Ganz hinten in der Halle 4.1 am Stand der Ludwig-Maximilian-Universität treffe ich Jessica Taso und Lydia Scherf, zwei von fünf Verlegerinnen des „&Töchter“-Verlags. Bücher haben sie noch nicht dabei. Der Verlag ist so jung, dass es schlicht noch keine gibt. „Wir haben uns Anfang dieses Jahres gegründet“, erzählt Lydia Scherf, die zusammen mit Jessica Taso „Buchwissenschaft: Verlagspraxis“ im Master an der Ludwig-Maximilian-Universität in München studiert. Die Idee einen eigenen Verlag zu gründen, bekamen sie in einem Seminar: „Unser Dozent meinte, dass es an Leuten aus der Praxis fehlt, die mit frischen Ideen und ohne den Ballast von Traditionen, das Verlagswesen erneuern können.“ 

Im Zusatz „und mehr“ steckt ein neuer Ansatz, denn als klassischen Verlag, der nur Bücher verlegt, verstehen sich die Mitte 20-jährigen Verlegerinnen „&Töchter“ nicht: „Wir möchten ganz unterschiedliche literarische Felder erkunden: Bereits jetzt veranstalten wir Lesungen an ungewöhnlichen Orten, wie in einem Gemüseladen, um auch Menschen neugierig auf Literatur zu machen, die in klassische Literaturinstitutionen nicht gehen und von selbst keine Bücher kaufen“, erzählt Jessica Taso. 

Ihr erstes Buch soll dem Thema „Nachhaltigkeit" einen neuen Spinn geben

Ihre Autor*innen finden sie über Open Calls, die sie im Netz streuen, „Wir möchten auch Nachwuchsautor*innen die Möglichkeit geben, zu lesen und das in einer entspannten Atmosphäre, es ist ja auch für sie teilweise das erste Mal.“ Auch ein Podcast ist in Planung, in dem die Verlegerinnen persönliche Einblicke geben möchten, um ihre Leser*innen und das Publikum näher an sich und die Themen, die programmatisch verlegt werden sollen, heranzuholen. „Verlage haben so etwas unpersönliches, das möchten wir gerne durchbrechen“, erzählen sie. 

Auf der Frankfurter Buchmesse sind sie in ihrer Funktion als Verlegerinnen zum ersten Mal, privat waren sie in der Vergangenheit schon vor Ort. „Dieses Jahr ist die Messe viel diverser. Auch die Durchmischung der Stände, von Groß- zu Kleinverlagen, gefällt uns sehr. Dadurch wird die Messe einfach erlebbarer.“ 

An dem ersten Buch, das “&Töchter” verlegen möchten und das in einem Jahr zur Messe fertig sein soll, arbeiten sie bereits. „Wir möchten nur Bücher machen, hinter denen wir alle stehen, und uns für die auch Zeit nehmen.“ Inhaltlich geht es um das Thema Nachhaltigkeit, was, wie die beiden zu bedenken geben, gerade ein sehr populäres Thema ist, dem sie aber nochmal einen neuen Spin geben wollen.

Dank eines eigenen Startkapitals können sich die fünf Zeit nehmen und sich ausprobieren. Und das ist vor allem wichtig für sie.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

Im Gespräch mit ...

Nicht alle Menschen auf der Frankfurter Buchmesse sind alte Hasen im Literaturbetrieb. Wir stellen die Newcomer und Literaturprofis von morgen vor und sprechen mit Agent*innen, Autor*innen, Journalist*innen, Lektor*innen und Verleger*innen.

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