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Der Jungautor Lennardt Loß auf der Buchmesse

Buchmesse Newcomer

Im Gespräch mit … Lennardt Loß

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Lennardt Loß, 27 Jahre, hat seinen ersten Roman veröffentlicht. Sein Verlag gewann für „Und andere Formen menschlichen Versagens“ auf der Frankfurter Buchmesse den Dörlemann-Zusatz-Preis. Wie Loß einen Verlagsvertrag ohne Buch bekam und wieso er sich am meisten über Komplimente von Opa Klaus freut.

Lennardt Loß, zwischen deiner ersten Kurzgeschichte und deinem Buchvertrag lagen gerade mal zwei Jahre. Läuft bei dir. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ein Freund von mir hat mich damals ermutigt, bei dem Kurzgeschichtenwettbewerb „Junges Literaturforum Hessen-Thüringen“ mitzumachen. Ich hab dann da eine Kurzgeschichte hingeschickt und die wurde dann mit dem Anthologie-Preis ausgezeichnet und da dachte ich, so schlecht kann das ja nicht sein, was du hier machst. Ich hab einfach weitergemacht und hab dann bei einem Workshop meinen Lektor Rainer Weiss kennengelernt, der weissbooks gegründet hat. Nach dem Workshop fragte er mich, ob wir nicht ein Buch machen wollen, ich hätte doch bestimmt ganz viele Manuskripte.

Und? Hattest du?

Ich hatte gerade mal zwei Kurzgeschichten. Also hab ich gesagt, nächste Woche kann ich leider nicht vorbeikommen, aber übernächste Woche. Und dann hab ich mich für eine Woche eingeschlossen und das Exposé für „Und andere Formen menschlichen Versagens“ geschrieben. Und er guckte dann drauf und meinte: „Machen wir.“

Ungefähr zwei Jahre hat es dann gedauert, bis das Buch fertig war. Wie kann man sich die Arbeit an deinem Roman vorstellen?

Ich studiere aktuell noch, aber als die Buchanfrage kam, habe ich ohne zu überlegen zugesagt und musste das Studium deshalb erst mal unterbrechen, will aber unbedingt noch meinen Abschluss machen. Ich dachte ja, ich wäre schneller fertig mit dem Buch, aber ich bin sehr langsam beim Schreiben. Mein Verlag war sehr gütig mit mir, und das hat dann einfach so lang gedauert, wie es gedauert hat. Ich schreibe meistens eine erste Version einer Kurzgeschichte, die hat dann ungefähr 25 Seiten. Und dann versuche ich circa 30 Prozent zu kürzen, um auf 19 Seiten zu kommen. Dann schicke ich es zwei Leuten, einer Freundin und einem Freund, auf deren Meinung ich sehr zähle. Und dann schicke ich es zum Lektor. Das sind die einzigen drei Leute, die meine Sachen vorher zu lesen bekommen.

In deinem Roman geht es um eine junge Frau, Marina Palm, die nach einem Flugzeugabsturz 25 Jahre lang auf einer einsamen Insel lebt. Der Roman besteht aus lauter Kurzgeschichten, die alle irgendwas mit Marina Palm zutun haben, doch keine der Kurzgeschichten handelt von ihrer Zeit auf der Insel. Warum nicht?

Die Grundidee war, eine Robinson-Crusoe-Geschichte zu schreiben. Aber das ist so auserzählt, dass jede Person auf dieser Welt sagen könnte, was man auf einer einsamen Insel so macht, und dann hätte ich irgendwie nur das Klischee bedienen können. Das hab ich dann als Chance gesehen, Geschichten von den Menschen zu erzählen, deren Lebenswege sich mit dem dieser Figur irgendwie kreuzen.

Hast du eine Lieblingsfigur?

Am liebsten mag ich Victoria Palm, die Mutter der Verschollenen. Aber eine gewisse Grundsympathie muss bei allen Figuren da sein, auch wenn es natürlich teilweise schreckliche Personen sind. Ich stell mir immer vor, dass ich die in einer Kneipe treffe und die müssten so interessant sein, dass ich mit denen nicht ein, sondern zwei Bier trinken würde.

Apropos schrecklich. Die Verschollene wird schließlich von einem Kreuzfahrtschiff gerettet.

Genau. Ich hab mir die Frage gestellt: „Wenn jemand 25 Jahre auf einer einsamen Insel isoliert ist, was ist der schlimmste Ort, an den man ihn bringen kann?“ Richtig, ein Kreuzfahrtschiff. Deshalb wird sie von dieser mittelständigen deutschen Spaßgesellschaft gerettet.

Wie waren die Reaktionen auf dein Buch?

Dem Opa meiner Freundin hat das Buch nicht so gut gefallen (lacht). Er war selbst auch mal Lektor und ihm hat die Struktur des Buches nicht so zugesagt, da war er eher Purist. Er hat sich tatsächlich ein Exemplar gekauft und dann diesen Zettel mit Anmerkungen geschrieben. Ich glaube, er zeigt so seine Wertschätzung. Opa Klaus ist ein guter Typ.

Du warst dieses Jahr Stipendiat der Roger-Willemsen-Stiftung. Wie kam es dazu?

Mein Verlag hat mich damals dort vorgeschlagen. Und dann kam die Einladung, und ich war sehr froh, aber ich hatte auch sehr große Angst. In dieser Villa von Roger Willemsen in Wentorf bei Hamburg ist alles sehr einschüchternd. Aber es war dann alles total super, ich war dort mit zwei weiteren Stipendiaten. Wir hatten alle eine eigene Etage, man hat sich dann meistens morgens unten in der Küche gesehen, tagsüber hat man gearbeitet und abends haben wir was zusammen gemacht. Ich habe da an meinem zweiten Buch gearbeitet.

Kannst du schon verraten, wovon dein neues Buch handelt?

Das zweite Buch wird ein bisschen größer, das wird ein klassischer Roman. Es wird im Softpornomilieu der 70er und 80er Jahre in Deutschland spielen. Das Thema hat mich schon allein aus filmwissenschaftlicher Perspektive interessiert und deshalb wollte ich da gerne einen Roman drüber schreiben.

In der Rubrik „Unter Dreißig“ berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse.

Im Gespräch mit ...

Nicht alle Menschen auf der Frankfurter Buchmesse sind alte Hasen im Literaturbetrieb. Wir stellen die Newcomer und Literaturprofis von morgen vor und sprechen mit Agent*innen, Autor*innen, Journalist*innen, Lektor*innen und Verleger*innen.

Lennardt Loß

"Und andere Formen menschlichen Versagens". Roman

weissbooks.w, 2019

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