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Neoliberaler Blickwinkel

Von Naomi Klein (No Logo) bis Harald Schumann (Die Globalisierungsfalle) wird Globalisierung vor allem als Bedrohung wahrgenommen. Sie bedroht unsere

Von RUDOLF SPETH

Von Naomi Klein (No Logo) bis Harald Schumann (Die Globalisierungsfalle) wird Globalisierung vor allem als Bedrohung wahrgenommen. Sie bedroht unsere Lebensweise, unsere Arbeitsplätze, unsere politische Ordnung und letztlich unsere Identität. Alles werde dem Diktat der Ökonomie und der großen Konzerne geopfert, die grenzenlose Freiheiten bekommen hätten. Gegen diese Kritik der globalisierten Ökonomie wendet sich Sylke Tempel in ihrem Buch Globalisierung, was ist das? Der Gegner des Buches ist Attac, und die Autorin richtet sich offensichtlich mit eingängig gehaltenen Argumenten und Beispielen an die jugendlichen Anhänger dieser globalisierungskritischen Organisation. In sechs Kapiteln wird dem Leser nahe gebracht, dass Globalisierung eigentlich nur Chan-cen bietet.

Anläufe zur Globalisierung, so Tempel, gebe es seit dem 15. Jahrhundert, seit sich europäisches Denken durch die Kolonialimperien weltweit verbreitete. Tempel zeigt konsequent die positiven Seiten der Globalisierung: der wachsende Reichtum auch ärmerer Länder durch Teilnahme am Welthandel und die Vorteile der kulturellen und informationellen Vernetzung. Sie beschwichtigt Ängste gegenüber der zunehmenden Macht der Konzerne, der Aushöhlung des Nationalstaates und der Bedrohung von Kulturen. Tempel bringt ihre Argumente aber so vor, dass der Eindruck entsteht, der Protest der Globalisierungsgegner sei ein Missverständnis. Ihr neoliberaler Blick versperrt ihr die Einsicht in die Notwendigkeit einer politischen Regulierung auf transnationaler Ebene.

Ambivalente Entwicklung

In der Entwicklungspolitik haben sich Nichtregierungsorganisationen (NRO) als fester Bestandteil zwischen Staat und Markt etabliert. Diese zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Amnesty International, Oxfam, World Wide Fund for Nature (WWF) und Care haben sich in den vergangenen Jahren explosionsartig vermehrt. Sie ergänzen die kirchlichen und staatlichen Entwicklungshilfeorganisationen und sie kooperieren mit NROs aus den Ländern des Südens. Berthold Kuhns umfangreiche und tief schürfende Studie über die NROs in der Entwicklungspolitik zeigt, dass diese Organisationen die Lücke zwischen Staat und Markt in der Armutsbekämpfung und in der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung sehr gut ausfüllen. Trotz dieses positiven Befundes kommt Kuhn zu einem ambivalenten Ergebnis.

NROs haben aufgrund ihrer Organisationslogik - sie funktionieren mit Ehrenamtlichen nach dem Prinzip der Freiwilligkeit - einen Balanceakt zu vollziehen. Sie müssen eine zivilgesellschaftliche Kraft bleiben und wollen sich gleichzeitig als Dienstleistungsorganisationen profilieren. Dadurch und durch die Geldgeber entsteht ein Zwang zur Professionalisierung und Bürokratisierung. Kuhn zeigt diese Probleme anhand von vier Fallstudien von NROs aus unterschiedlichen Ländern. Dabei erweist sich, was im ersten Teil theoretisch reflektiert wurde: NROs, die wichtige Innovations- und Dienstleistungsfunktionen erfüllen, sind einem Professionalisierungsdruck ausgesetzt, durch den sie sich von zivilgesellschaftlichen Prinzipien entfernen. Sie werden dann zu bürokratischen Großorganisationen, die mit Intrasparenz und Ineffizienz zu kämpfen haben.

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