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Natascha Strobl: „Radikalisierter Konservatismus“ – Konservativ und reichlich erschöpft

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Von: Matthias Arning

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Natascha Strobl. Foto: Nurith Wagner-Strauss
Natascha Strobl. © Nurith Wagner-Strauss

Natascha Strobl beobachtet eine Radikalisierung – mit „Faschisierungstendenzen“.

Konservative wirken ausgelaugt. Zumal, wenn sie den Unionsparteien anhängen und man Eindrücke aus dem gegenwärtigen Wahlkampf nimmt. 16 Jahre Merkel stehen vor allem für pragmatisches Krisenmanagement, die Kanzlerin öffnete ihre Partei für urbane Milieus. Merkel stand damit einer politischen Entwicklung konservativer Parteien entgegen, die Natascha Strobl jetzt als „radikalisierten Konservatismus“ untersucht.

Beispiele dieses Wandels sind für die Wiener Politikwissenschaftlerin Donald Trump und Sebastian Kurz. Mit ihnen unterstreicht sie ihre These, dass diese Politik unter dem Label „konservativ“ Ausgrenzung betreibe und anstelle der politischen Auseinandersetzung auf Konfrontation setze. Auf gezielte Empörung. Trump habe „die Aufreger-Industrie ins Herz der US-amerikanischen Demokratie gebracht“, beobachtet die Autorin. Sein Kollege in Wien, Bundeskanzler Kurz, und Trump hätten „das rechtsextreme Spiel mit alten und neuen Medien“ übernommen, um Minderheiten als „die Anderen“ auszugrenzen. „Eine Zuspitzung“, die für Natascha Strobl, bereits hervorgetreten mit einer Studie über „die Identitären“, zur politischen Praxis des „radikalisierten Konservatismus“ gehört.

Das ist auch der Titel ihres gerade erschienenen Buches. „Eine Analyse“, wie es im Untertitel heißt, die sich kurz vor der oft als schicksalhaft beschworenen Wahl in der Bundesrepublik mit dem Bild von der erschöpften Sozialdemokratie und den ausgelaugten Konservativen befasst.

Das Buch

Natascha Strobl: Radikalisierter Konservatismus. Eine Analyse, Suhrkamp, Berlin 2021. 200 Seiten, 16 Euro.

Vertrauter Dreiklang

Was aber ist konservativ? Politisches Denken, das sich vor allem gegen liberale Ideen stellte, zunächst aufgerufen im Zusammenhang mit der Französischen Revolution. Seriöses Haushalten, Disziplin, Tugend. Ein Dreiklang, bei dem man in Deutschland an Helmut Kohl, seine „geistig-moralischen Wende“ und den Saumagen denkt. Dann sprechen manche von „Heimat“ und „Leitkultur“.

In ihrem Buch streift Natascha Strobl historische Kronzeugen der Konservativen kurz und bietet diese Definition: Unter Konservatismus ist „eine antiegalitäre, antirevolutionäre, klassenharmonisierende Haltung (zu verstehen), deren höchste Werte Ordnung und Eigentum sind“. Strobl sieht den Konservatismus heute in unruhigem Gewässer. Heimatlos wirkten viele in Österreich nicht anders als in der hiesigen Union, ihre Leitidee scheine unbestimmt zu sein. Allerdings sei nicht zu übersehen, dass heute Unmut und Aufregung über Politik in scharfer Tonlage formuliert würden: Strobl spricht dann angelehnt an den Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer von „roher Bürgerlichkeit“.

Ruppige Tonlagen gegen Migranten, verständnisloser Umgang mit gegnerischen politischen Lagern, „radikalisierter Konservatismus“ eben. Dagegen empfiehlt Natascha Strobl am Ende „konkrete, nachvollziehbare Politik“ und „eine post-kapitalistische Welt sichtbar zu machen“.

Doch reicht das? Und ist „radikalisierter Konservatismus, der keine Berührungsängste vor der traditionellen extremen Rechten kennt“, etwas anderes als rechtsdrehender Populismus? Wenn es um Gefahren für die Demokratie geht, kommt man vielleicht mit Überlegungen des Populismus-Forschers Cas Mudde weiter: Wirklich stärken lasse sich die Demokratie nur, indem man „nicht nur das populistische Angebot zerschlage, sondern auch die populistische Nachfrage schwäche“.

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