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Im August 2005 in New Orleans nach Hurrikan Katrina: Für Naomi Klein der Ausgangspunkt ihres neuen Buchs „How to Change Everything“.
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Im August 2005 in New Orleans nach Hurrikan Katrina: Für Naomi Klein der Ausgangspunkt ihres neuen Buchs „How to Change Everything“.

Klimakatastrophe

„How to Change Everything“ – Bäume pflanzen gegen den Neoliberalismus

  • Friederike Meier
    VonFriederike Meier
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Naomi Klein erklärt der jungen Generation, wie diese „die Zukunft retten“ und den Klimawandel bekämpfen kann. Ihre Beispiele sind stark, aber der Band hat auch Schwächen.

Umgeknickte Stromleitungen und Verkehrsschilder, Straßen, die von Wasser und Schutt unpassierbar sind. Als die kanadische Journalistin Naomi Klein zwei Wochen nach dem Hurrikan Katrina im US-amerikanischen New Orleans eintrifft, ist es immer noch schwierig, sich dort zu orientieren. Sie und ihr Kamerateam, mit dem sie Situation in der Stadt dokumentieren will, verfahren sich im Dunkeln.

Hurrikans wie Katrina sind nicht nur Naturkatastrophen, sie werden durch den menschengemachten Klimawandel wahrscheinlich zerstörerischer. Aber auch Katrinas Folgen wurden durch menschliche Entscheidungen verstärkt. Denn das System aus Dämmen, das die Stadt vor Überflutungen schützen sollte, war kaputt gespart worden. In Gebieten, in denen Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen lebten, war es besonders alt und defekt. Katrina zeigte den strukturellen Rassismus und gesellschaftliche Ungleichheit und verstärkte sie noch.

Naomi Klein beschreibt die drastischen Folgen des Klimawandels

Für Naomi Klein ist dies „ein wirklich krasses Beispiel für Klimaungerechtigkeit“. Gemeinsam mit der Autorin Rebecca Steffof beschreibt sie in ihrem neuen Buch mit dem ehrgeizigen Titel „How to change everything – Wie wir alles ändern können und die Zukunft retten“ wie aus ihrer Sicht die Klimakrise mit gesellschaftlichen Problemen zusammenhängt.

Sie beginnt im Hier und Jetzt und beschreibt sowohl die Entstehung der Fridays-for-Future-Proteste als auch die spürbaren Folgen des Klimawandels. Natürlich ist uns klar, dass die Klimakrise schon da ist. Es ist trotzdem erschreckend, die geballte Aufzählung der durch den Klimawandel wahrscheinlicher gewordenen Katastrophen im Jahr 2019 weltweit zu lesen: Rekord-Eisschmelze in der Antarktis, Großbrände in Australien, Zyklone in Asien.

Aber der Kapitalismuskritikerin Klein, die mit Büchern wie „No Logo“ und „Die Schock-Strategie“ bekannt wurde, reicht es nicht, auf naturwissenschaftlicher Ebene über Auslöser und Folgen des Klimawandels zu sprechen. Denn sie beschreibt anschaulich, wie mit der Verbreitung der Dampfmaschine die Nutzung von fossilen Brennstoffen in großem Ausmaß begann und die Vorstellung, der Mensch könne sich aus der Natur alles nehmen, was er braucht, sich immer weiter verbreitete.

Das Buch

Naomi Klein und Rebecca Steffof: : How to Change Everything. A. d. Engl. v. G. Gockel, B. Steckhan. Hoffmann und Campe 2021. 255 S., 18 Euro.

Die Perspektive der Klimagerechtigkeit nimmt Klein ernst, neben Hurrikan Katrina berichtet sie von Menschen im Globalen Süden, die schon heute stärker von der Krise betroffen sind und dagegen protestieren. Der Kapitalismus schaffe außerdem „Opferzonen“ dort, wo Menschen direkt unter den Umweltfolgen etwa des Kohlebergbaus leiden. Mittlerweile aber, schreibt Klein, leben wir alle in der Opferzone.

USA: Naomi Klein schildert Beispiele von erfolgreichem Protest gegen den Klimawandel

Klein will uns aber nicht entmutigen. Sie erzählt mit Fokus auf die USA, was die Umweltbewegung schon alles erreicht hat und wirbt für den Green New Deal der US-Demokraten, der Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit verbinden will. Wohl auch durch Mitwirken von Rebecca Steffof werden komplizierte Sachverhalte mit einfachen Worten erklärt, Leserinnen und Leser werden geduzt, Kapitel werden durch Fotos und Infoboxen aufgelockert, die meist Beispiele von erfolgreichem Aktivismus schildern.

Das Buch dürfte als eine Art Zusammenfassung einiger ihrer vorherigen Bücher („Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“, „Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann“) für die Zielgruppe Jugendliche gedacht sein, der Verlag preist es gar als „Must-have für alle, die für die Einhaltung der Klimaziele demonstrieren“.

Der erklärende Tonfall wirkt teilweise etwas herablassend. Dass wegen der Corona-Pandemie Schulen geschlossen waren, dürften nun wirklich alle Schülerinnen und Schüler mitbekommen haben. Auch Kleins Kritik am Neoliberalismus wäre noch überzeugender, wenn zwischen Fakt und Meinung unterschieden würde und Behauptungen mit Quellen belegt würden.

„How to change everything“ von Naomi Klein: „Werkzeugkasten“ für Klimawandel-Aktivismus

Ihre Grundüberzeugungen sind durchaus universell gemeint, in vielem dürfte sie damit recht haben. Dass Erneuerbare Energien erfolgreicher sind, wenn die Menschen vor Ort selbst davon profitieren, dürfte etwa gleichermaßen auf die Cheyenne in den USA und auf Dörfer in Deutschland zutreffen. Allerdings ist Klein überzeugt davon, dass sich alle Regierungen der reichen Länder früher oder später mit dem Green New Deal auseinandersetzen müssen. Doch sind ihre Forderungen für alle Länder sinnvoll? Wie passt der „European Green Deal“ der EU dazu? Diese Fragen bleiben offen, und das Buch bietet so wenig Anknüpfungspunkte für die Debatte etwa in Deutschland.

Trotzdem hat es seinen Wert für junge Menschen, die nach Argumenten suchen, warum sie sich für eine bessere Zukunft engagieren sollen. Ihnen liefert Klein viele motivierende Beispiele aus der ganzen Welt und einen „Werkzeugkasten“ für Aktivismus. Und eine Botschaft, vielleicht die wichtigste: Fehler passieren und wer demonstriert, muss nicht alles schon wissen. Das Wichtigste ist anzufangen. (Friederike Meier)

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