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Naoise Dolan. Foto: Privat
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Naoise Dolan.

Irischer Roman

Naoise Dolan „Aufregende Zeiten“: Zum Glück zahlt immer er

  • VonPetra Pluwatsch
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Verlorene europäische Seelen im Hongkonger Stadtdschungel: „Aufregende Zeiten“, das lakonische Debüt der Irin Naoise Dolan.

Es hätte jede andere Stadt sein können. Doch Ada verschlägt es nach Hongkong. „In Dublin war ich traurig gewesen, beschloss, dass daran Dublin schuld war, und dachte Hongkong würde helfen.“ Ein Trugschluss, wie sich schnell herausstellt. Die Mitbewohnerinnen in der Airbnb-Wohnung gehen ihr auf die Nerven, ihr Job an der Sprachschule langweilt die 22-Jährige zu Tode. Dass sie während des Unterrichts nicht den Klassenraum verlassen und zur Toilette gehen darf, macht die Sache nicht besser.

Doch da gibt es noch Julian, den gutverdienenden Banker mit der Wohnung über den Wolken, auch so eine verlorene Europäer-Seele im Dschungel der Megastadt. Gemeinsam hängt man ab, hat irgendwann Sex. Und bleibt einander doch so fern wie zwei Sonnensysteme. „Wir waren die Summe der Routinen, die wir umeinander errichtet hatten.“

„Aufregende Zeiten“ ist der Debütroman einer vielversprechenden irischen Autorin: Naoise Dolan, 27 Jahre alt, geboren in Dublin, schreibt so lakonisch, dass ihr Buch über weite Strecken ein großes Lesevergnügen ist. Schon bald nistet sich Ada bei Julian ein, eine pragmatische Entscheidung fern von romantischem Gedudel. Ein schlechtes Gewissen hat sie deswegen nicht. „Unser Wohlstandsgefälle war zu krass, als dass ich mich dadurch unwohl gefühlt hätte. Außerdem sprach mich das in meinen Augen von jeglicher Notwendigkeit frei, den unweigerlich damit verquickten Genderfragen auf den Grund zu gehen, dass er immer zahlte – zum Glück, da ich es mir gar nicht anders hätte leisten können.“

Das Buch:

Naoise Dolan: Aufregende Zeiten. Roman. A. d. Engl. v. Anne-Kristin Mittag. Rowohlt, Hamburg 2021. 318 S., 20 Euro.

Nur kurz fragt sie sich, ob sie deswegen eine schlechte Feministin sei, womöglich mit der „kapitalistischen Vorstellung“ breche, „dass ich nur einen Wert hatte, wenn ich meinen Lebensunterhalt selbst bestritt“. Und schiebt ihre Skrupel schnell wieder beiseite. „Ich konnte das immer noch aufdröseln, sobald die Erfahrung hinter mir lag; bis dahin hatte es wenig Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.“

Julian wiederum ist ein emotionaler Eisblock, der niemanden an sich heranlässt. Erst recht nicht eine wie Ada, der es weniger um Liebe geht als um emotionale Überlegenheit. „Was ich wollte, war, dass Julian mehr für mich empfand als ich für ihn. Ich wollte ein Machtgefälle, und zwar zu meinen Gunsten.“

Sympathisch ist diese Protagonistin vor allem durch ihre Grundehrlichkeit sich selbst gegenüber. Schonungslos selbstironisch schildert sie ihre emotionalen Verirrungen und eigenen Schattenseiten – und zeigt sich damit als eine verletzliche junge Frau mit null Peilung, was sie anfangen soll mit ihrem Leben. Erst Edith, eine chinesische Rechtsanwältin, mit der sie bald mehr als Freundschaft verbindet, zeigt Ada, wer sie wirklich ist. Eine Frau, die Frauen mag und auf Geld und Besitz pfeift, wenn es um die Liebe geht.

Gegen Ende hätte dem Roman die ein oder andere Kürzung gutgetan. Inzwischen ist man vertraut mit Adas Selbstzweifeln und ihren Spielchen. Und doch ist Naoise Dolans Debüt ein gutes, ein aufregendes Buch. Wegen des schnoddrig-coolen Tons und vor allem natürlich wegen Ada, die zeigt, wie es sich anfühlt, Anfang 20 zu sein und nicht zu wissen, wo es langgeht.

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