Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Lawrence Ferlinghetti rezitiert ein Gedicht. Foto: Henny Ray Abrams/AP/dpa
+
Lawrence Ferlinghetti rezitiert ein Gedicht.

Beat-Poet

Nachruf Lawrence Ferlinghetti: „Dichter, befreit Eure Kehlen und sprecht es aus“

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Wenn er an etwas glaubte, dann war es die Kraft des Wortes: Zum Tod des Beat-Poeten Lawrence Ferlinghetti, der 101 Jahr alt wurde.

Seine bevorzugte Tonlage war die große Anrufung. „Poets, come out of your closets“, heißt es in einem seiner bekanntesten Gedichte. „Open your windows, open your doors“. Zu lange schon habe man sich in geschlossenen Welten aufgehalten. Die Aufforderung, ins Freie zu treten, wurde von der Generation der Beatniks, zu deren wichtigsten Vertretern Lawrence Ferlinghetti neben Jack Kerouac, William S. Burroughs und Allen Ginsberg gehörte, ganz wörtlich verstanden. Dichtung als Roadtrip der Selbstfindung, aber auch als Aufrüttelung der US-amerikanischen Gesellschaft.

Inspiration fürs Geschäftliche

Die Beatniks waren Ortlose, ihr Unterwegssein war das Ziel. Und wenn sie dann doch irgendwo sesshaft wurden, dann in der Weite und Freiheit Kaliforniens. Lawrence Ferlinghetti hatte sich 1950 in San Francisco niedergelassen und dort das Literaturmagazin „City Lights“ sowie den gleichnamigen Buchladen gegründet, der zur Anlaufstelle einer neuen Bewegung wurde, die das Aufbegehren der Bürgerrechtsbewegung ebenso vorwegnahm wie später das Engagement gegen den Vietnamkrieg. Ferlinghetti sah sich dabei nicht nur als Dichter. Einen wichtigen Teil seiner poetischen Inspirationskraft lenkte er um in geschäftliche Aktivitäten.

So initiierte er die Buchreihe Pocket Poets Series, die die Popularisierung der Lyrik dienen sollte. Seine literaturgeschichtlich bedeutsamste Tat aber war die Herausgabe von Allen Ginsbergs Langpoem „Howl“, ebenfalls eine große Anrufung, die zum Schlüsseltext einer jungen Generation wurde, kurz bevor Bob Dylan die passenden Akkorde und Songtexte beisteuerte.

Ginsbergs „Howl“ war ein wütendes, von Aufbruchsfuror und Ermutigung geprägtes Gedicht, für das Ferlinghetti als Herausgeber wegen Verbreitung einer obszönen Schrift vorübergehend ins Gefängnis kam. Das anschließende Gerichtsverfahren wurde vielfach als Indiz für eine verkrustete und illiberale Gesellschaft aufgefasst, Ferlinghettis Freispruch wirkte so gesehen wie ein Katalysator für die politischen Ambitionen der Beatniks.

Lawrence Ferlinghetti, 1919 in New York geboren, hatte in Paris an der Sorbonne studiert, und die Stadt als literarischer Topos wurde zu einem frühen Thema seiner literaturwissenschaftlichen Arbeit. Er promovierte über die Stadt als Symbol der modernen Dichtung, aber anders als die Schriftstellerkreise in der französischen Hauptstadt zog es Ferlinghetti und die Seinen hinaus. Als Bewegung waren die Beatniks vor allem auch in Bewegung.

Wild, assoziativ, mündlich

Dabei war es für Lawrence Ferlinghetti nicht ganz einfach, stets im langen Schatten von Kerouac und Ginsberg zu stehen. Seine eigenen lyrischen Ausdrucksformen waren wild und assoziativ und benötigten den mündlichen Vortrag, um Wirkung zu erzielen. Den Glauben an die Kraft des Wortes aber hat der Dichter Ferlinghetti nie aufgeben. „Dichter, befreit Eure Kehle und sprecht es aus“ lautete nicht nur eine Gedichtzeile, es blieb zeitlebens auch sein Motto.

Am Montag ist Lawrence Ferlinghetti im Alter von 101 Jahren in San Francisco gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare