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Frank Günther. Imago-Images

Shakespeare-Übersetzer

Nachruf auf Frank Günther: Bloß nicht weglaufen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Zum Tod des Übersetzers Frank Günther.

Er gehörte zu den wirklich Berühmten unter denen, die nie im Rampenlicht stehen. Er gab den anderen Gelegenheit, dort nicht nur gut auszusehen. Keine anderen Shakespeare-Übersetzungen, liest man, werden heute so viel auf deutschsprachigen Bühnen gespielt wie die von Frank Günther, der 1947 in Freiburg geboren wurde und am Donnerstag in Ulm nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist. Das teilte sein Verlag Hartmann & Stauffacher mit.

Bereits in den siebziger Jahren begann sich Günther, der in Wiesbaden aufwuchs und in Mainz und Bochum Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte studierte, mit dem Werk William Shakespeares zu beschäftigen. Dass er damals auch als Regisseur arbeitete, mag später dabei geholfen haben, dass seine Übertragungen so extrem sprechfreundlich, so geschmeidig und selbstverständlich sind. Der Übersetzer Günther, der doch tausendfach entscheiden und nachdichten muss, tritt uneitel zurück hinter einem Text, mit dem Theater glänzend arbeiten können.

Zunächst erstellte Günther Übersetzungen von Zeitgenossen. Später sei er gefragt worden, ob er es nicht einmal mit Shakespeare selbst versuchen wolle, erzählte er gerne. Er habe sich damals gefragt, warum ausgerechnet ihm gelingen solle, was so vielen missraten war. Selbst nach den ersten Erfolgen habe er nicht vorgehabt, allen Ernstes an eine Komplettübersetzung zu gehen.

„Die größte Schwierigkeit beim Shakespeare-Übersetzen ist es, nicht schreiend davonzulaufen“, sagte Günther sicher nur halb im Scherz Jahrzehnte später, nachdem es ihm 2017 gelungen war, mit dem „Perikles“ die Reihe aller 38 Dramenübersetzungen zu beenden. Seinem essayistischen Beitext zum „Perikles“ gab er den Titel: „Stoßseufzer des ratlosen Übersetzers in der Shakespeare-Folterkammer“.

Überhaupt reflektierte er über die Jahre seine Kunst und gab sie weiter, in Seminaren (in denen er etwa Zeitungsartikel in Blankvers übertragen ließ) und Büchern. Günther, mehrfach ausgezeichnet, wurde 73 Jahre alt. Nur einige Sonette blieben unübersetzt, wie der Verlag meldet. ith

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