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Baustelle Europa.
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Baustelle Europa.

EU-phorie

Nachnationale Zukunft

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Wäre das Europa der Eliten etwas Weltfremdes gewesen, wäre deren Vision gescheitert - Robert Menasse betont den Optimismus bei der europäischen Einigung.

Der Europaoptimismus war schon einmal sehr krisenresistent, angefangen mit der Zeit, als der Zweite Weltkrieg noch mit aller Macht nachwirkte, Anfang der 1950er Jahre. Er verhielt sich regelrecht antizyklisch, denn während das kollektive Gedächtnis von blutigen Erzählungen zehrte und die kommunikative Erinnerung weiterhin Revanchegelüste und Rachegedanken mobilisierte, musste der Europagedanke den Demagogen abgerungen werden. Wäre er den Demoskopen (die Stimme des deutschen Heimkehrers oder der französischen Hinterbliebenen abfragend) überlassen worden, Europa wäre chancenlos geblieben.

Der Europagedanke lebte vom Optimismus der Eliten, wie der Schriftsteller Robert Menasse soeben betont hat. „Elitenprojekt, das klingt natürlich ganz schrecklich in den Ohren von Demokraten“, schreibt Menasse, und das erklärt die „Denunziation der EU als einem „Elitenprojekt“, heute noch, heute wieder. Menasse lässt an der Berechtigung und der Notwendigkeit dieses Elitenprojekts keinen Zweifel. Wäre das Europa der Eliten etwas Weltfremdes gewesen, wäre deren Vision gescheitert, mit ihm ein Gemeinsames, dessen Basis, sagen wir es ruhig, die Ökonomie war.

Zwei Episoden veranschaulichen das, die bekanntere ist sicherlich die von der Gründung der Montanunion, 1951, als Frankreich, die Beneluxstaaten, die Bundesrepublik und Italien, eine Wirtschaftsgemeinschaft gründeten, und Frankreich, zehn Jahre zuvor noch ein Opfer Hitlerdeutschlands, gegenüber Adenauerdeutschland auf Souveränitätsrechte verzichtete.

Dass die Gründung der Montanunion ausgerechnet auf einem Bündnis von Kohle und Stahl basierte, zwei Schwerindustrien, die im Namen des Nationalismus ihre kriegerischen Interessen bis dahin rücksichtslos durchgesetzt hatten, war ein kühner Gedanke, wahrhaftig ein Experiment im Nachkriegseuropa, einem der Schlachtfelder und bombardierten Städte.

Europa hat große Erzählungen hervorgebracht, so gut wie unbekannt ist die Episode, dass Deutschland so etwas wie eine Restschuld bei den Griechen hat, und das nicht etwa als kulturelle Hypothek. Als im Frühjahr 1953 in London 22 Gläubigerstaaten Deutschlands zusammenkamen, da geschah es, dass auf Initiative Griechenlands den Deutschen ein Schuldenerlass gewährt wurde. Nur so, durch die Initiative Griechenlands war es möglich, dass Deutschland seine Rolle in Europa fortan spielen konnte, eine Rolle, die auch Ulrich Beck analysiert, wenn er an eine Unterscheidung Thomas Manns zwischen einem „deutschen Europa“ und einem „europäischen Deutschland“ erinnert. Auch das war 1953.

Anfang Dezember wird die EU mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nicht mit Blick auf dieses Datum, denn bereits einige Wochen vor dieser Entscheidung haben sich Intellektuelle entschlossen, über Europa nachzudenken – zwischen traditionellen Buchdeckeln. An dieser Stelle soll bis zu diesem Datum eine kleine EU-Handbibliothek an Neuerscheinungen vorgestellt werden. Das Motto lautet: EUphorie.

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