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 Was E.T.A. Hoffmann sieht, wenn er B. hört.
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Was E.T.A. Hoffmann sieht, wenn er B. hört.

Graphic Novel

„Mythos Beethoven“ – Im Notengebirge

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Auf dem Laufenden: Moritz Stetter glückt die Episoden-Graphic-Novel „Mythos Beethoven“

Mit Bildern Töne im Kopf zu erzeugen: schwierig, aber möglich, wie diesmal der Hamburger Zeichner Moritz Stetter dokumentiert. Die Episoden-Graphic-Novel „Mythos Beethoven“, die informativ, aber keine Armenbibel ist, schleicht sich von der Seite an. Zuerst sieht man in Nahaufnahmen das hysterisch verrenkte Publikum angesichts einer Aufführung der 5. Symphonie (mit Berlioz als Zeugen). Dann Haydn, der eine Linie der Beethoven-Rezeption vorgibt – „Der Stil des Musikers ist immer der Mensch selbst“. Dann, Überraschung, den hochstaplerischen Großneffen Ludwig van Beethovens, begeistert hofiert.

So dass es, wie in einem guten Film, ein paar Seiten dauert, bis der Titelheld selbst überhaupt zum ersten Mal ins Bild kommt. Ein smarter Typ, bisschen klein, erst jung, später älter, wüste Haare, schlecht rasiert, ein Greis erst auf dem Totenbett. Keine immer gleiche Souvenirladenfigur. Beethoven klettert im Notengebirge, aus seinen Haaren wachsen Notenlinien, er musiziert oder randaliert im Salon, bewundert Napoleon, bewundert Napoleon nicht mehr. Spaziert durch die Natur, trifft Goethe, irrt verzweifelt durch seine Gehörgänge.

Stetter ist auf dem Laufenden und folgt den Regeln einer seriösen biografischen Annäherung ebenso wie dem offensiven Pep eines Superheldencomics. Dass Beethoven auch ein tragisch grundierter Superheld war, wer könnte es leugnen, aber man sieht es eben nicht so häufig, ohne dass es banal wird. „Mythos Beethoven“ ist gar nicht banal, sondern die gescheite, zugeneigte Übersetzung einer Klang- in eine Bilderwelt. Als würde man in den Kopf des tauben Beethoven steigen, dem Stetter aber nicht zu nahe tritt. Das Nahetreten kann er getrost anderen überlassen, an Zitaten mangelt es nicht.

Die Bilder, kraftvolle schwarze Linien, gezielte, sparsame Einfärbung, sind direkt und vehement, wobei Stetter mit deutlichen Kontrasten arbeitet. Jede Doppelseite eine Coup und Beethovens Welt (nicht so sehr er selbst) eine der krassen Widersprüche. Zum Schluss wandert Stetter durch die „Ode an die Freude“, die holde Musik, dann Goebbels, „Clockwork Orange“, EU und Mauerfall, das Oben-Unten der Macht bei den (Hamburger) G20-Protesten, die Corona-Balkonmusik. Aber nebenan wettern sie schon gegen die „Zwangsimpfung“.

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