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Okay, hier handelt es sich um einen Profi. Antti Tuomainens Undercover-Ermittler aber ist keiner und er leidet wie ein Hund im finnischen Meer.

Krimi

Mord? Sie hatten doch nur Pech

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Antti Tuomainens gut gelaunter Krimi „Palm Beach, Finland“.

Was Krimis betrifft, so sind die Finnen die Österreicher des hohen Nordens: Sie reihen Wortspiele, trockene Späßchen, schwarzen Humor, Deftigkeiten, sie erfinden Figuren, deren Verhältnis von Glück zu Verstand etwa 89:11 beträgt, und lassen es nicht übermäßig blutig ausgehen. Im Gegenteil darf es auch mal ein mittelgroßes Happy End sein.

Leicht überkandidelt ist schon das Setting von Antti Tuomainens zweitem ins Deutsche übersetztem Krimi „Palm Beach, Finland“. Ein enthusiastischer Ferienpark-Investor namens Jorma Leivo ist schuld an der, nun ja, etwas unglaubwürdigen Titel-Wort-Kombination, er ist überzeugt, dass eine Anlage im bonbonbunten „Miami Vice“-Stil Gäste in Scharen selbst an einen kalten finnischen Strand locken wird; Werbe-Sprüche sollen helfen, Sprüche wie „Endlich – ein Ferienort, an dem sie zu 100 Prozent nicht an Hautkrebs erkranken werden.“ Dutzende von Sonnenschirmen und Liegestühlen warten, Plastikpalmen sind frisch gepflanzt.

Nur die alte Villa, die Olivia Koski gerade geerbt hat, fehlt Leivo noch zur Vervollkommung seiner Feriensiedlungs-Pläne. Gewiss doch können Chico – manche meinen, er sieht ein wenig aus wie Patrick Swayze, er wäre aber lieber Bruce Springsteen – und Robin – man könnte ihn intellektuell herausgefordert nennen – Olivia ein bisschen Angst einjagen, damit sie die Villa verkauft. Dummerweise treffen die zwei unvermutet auf einen Einbrecher. Dummerweise brechen sie ihm das Genick – aus Versehen, sie sind doch schließlich keine Mörder. Dummerweise hat der Einbrecher – man könnte ihn ebenfalls intellektuell herausgefordert nennen – einen Profikiller-Bruder.

So kommen die Dinge ins Rollen, aber sie kommen, wie gesagt, nicht allzu schlimm, eher komisch ins Rollen. Der Profikiller-Bruder reist an, er möchte Rache nehmen. Ein Undercover-Polizist reist an, er möchte die Sache aufklären, an der die örtliche Polizei scheiterte. Aber dann, Ächz, hat ihn sein Chef zur Tarnung für den Surfkurs angemeldet. Und dann, großer Mist, verliebt er sich in die Hauptverdächtige. Die Leserin immerhin weiß, dass das nicht weiter schlimm ist, haben doch Chico und Robin nur Pech gehabt. Das heißt, eigentlich hat ja der Einbrecher Pech gehabt.

„Palm Beach, Finland“ ist ein Krimi-Jux, dazu ein Liebesromänchen, auch eine sanfte Satire. Man kann Antti Tuomainens perfekt abschnurrende Geschichte ins Reisegepäck tun, wenn man zum Beispiel an einen Strand fährt, an dem der Wind und das Wasser finnisch eisig sind und man den Tag lieber im Hotelzimmer verbringt.

Das Buch

Antti Tuomainen: Palm Beach, Finland. A. d. Finn. v. Niina Katariina & Jan Costin Wagner. Rowohlt, Reinbek 2019. 366 S., 20 Euro.

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