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Zusammen sein, ohne über Platon zu reden.
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Zusammen sein, ohne über Platon zu reden.

„Bonnie Propeller“

Frau und Hund: Monika Marons erste Veröffentlichung bei Hoffmann und Campe

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Monika Marons kleine Erzählung „Bonnie Propeller“ ist ein folgerichtiger Start nach dem spektakulären Verlagswechsel zu Hoffmann und Campe.

Auch wenn es eine skurrile Seite hat, nach der ganzen Aufregung um Monika Marons Verlagswechsel von S. Fischer zu Hoffmann und Campe dort als ihr Entrée nun den winzigen Text „Bonnie Propeller“ zu lesen, so liegt darin doch eine Folgerichtigkeit. So ein Büchlein, sozusagen das dünnste Buch der Saison, ist der perfekte Willkommensgruß des neuen Verlags. Tierliebe ist meistens auch ein gemeinsamer, versöhnlicher Nenner. Die schlimmsten, dümmsten, klügsten, besten Leute mögen Tiere. Außerdem kann man dieses Buch wirklich jedem schenken, der sich im mindesten für Hunde interessiert. Mit 15 Euro hat es, obwohl darüber bereits mehrfach gemeckert wurde, einen guten Preis für ein Weihnachtsgeschenk.

Am besten interessiert man sich sogar sehr für Hunde (und wer tut das nicht), wenn man „Bonnie Propeller“ liest. Dann ist es eine besondere Freude, wie Monika Maron die sonderbare, aber vertraute Situation schildert, über einen verstorbenen Hund (Momo) ehrliche Tränen zu vergießen und bereits im Internet mit dem Stichwort „Schnauzermischling“ nach einem Nachfolger beziehungsweise jetzt einer Nachfolgerin zu suchen. Denn: „Ich brauche ein Wesen um mich herum, das nichts anderes ist als Leben, das nichts weiß vom Aufstieg und Niedergang Roms, vom Dreißigjährigen Krieg und von der Shoah, nichts von Platon, Joyce und Kafka, nicht einmal von Konrad Lorenz ... .“ Nur Sarkasmus könnte zu dem Gedanken verführen, dass man hierfür nicht nach einem Hund Ausschau halten muss. „Bonnie Propeller“ ist ein mildes Buch. Dabei enttäuscht die Titelheldin Propeller die Erwartungen der Erzählerin, die der Einfachheit halber auch im Folgenden immer Monika Maron genannt wird, zunächst bitter. An „stattliche, ritterliche Rüden“ ist sie gewöhnt, Propeller ist klein und unförmig. So dass die penetrante Suche nach heldischen Männern aus dem Vorgängerroman „Artur Lanz“ ironisch herüberwinkt, aber so ironisch dann auch wieder nicht, denn Monika Maron erwägt tatsächlich, Bonnie Propeller weiterzureichen. Das gehört zu den reizvollsten Seiten des Textes: Die Ehrlichkeit, mit der Monika Maron etwa zu Protokoll gibt, dass auch einem noch so erwachsenen Menschen ein hässliches Tier in seiner Begleitung peinlich sein kann.

Das Buch:

Bonnie Propeller. Erzählung. Hoffmann und Campe, Hamburg 2020. 55 Seiten, 15 Euro.

Kleiner Anker ins Herz

Es geht aber gut aus. Bonnie Propeller wird es gelingen, einen „kleinen Anker in mein Herz“ zu werfen, Monika Maron wird ihr „Schicksal“ zunächst „annehmen“, auch wenn sie nicht mit ihm „versöhnt“ ist. Schließlich stellt sie aber fest, dass Bonnie Propeller äußerst gelehrig ist. „Intelligenz begeistert mich immer.“ Besonders gut gefällt ihr auch, dass Freund Jörg von einer Rüdin spricht. Unsereiner denkt da vielleicht eher an 50er-Jahre-Schmöker, in denen die sympathischsten Mädchen den Ehrentitel „ganzer Kerl“ bekamen.

Aber man sollte Menschen nicht mit Hunden verwechseln, und das tut Monika Maron auch nicht. Wie sie vorbehaltlos über ihre Vorbehalte schreibt und zugewandt über ihre wachsende Zuneigung, liest sich schön und außerdem in weniger als einer Stunde. Damit ist „Bonnie Propeller“ keine Seite zu kurz.

Mensch und Hund sind ein weites Feld, aber die meisten Herrchen und Frauchen erzählen am liebsten von ihrem eigenen. Auch Thomas Manns in Sachen Behagen und Ironie anders geartete, ausschweifendere Erzählung „Herr und Hund“ interessiert sich wirklich sehr für Bauschan, der übrigens ebenfalls (zumal für einen kurzhaarigen deutschen Hühnerhund) ein wenig zu klein ist, seine Vorderbeine eher etwas nach außen gebogen.

Gegen Thomas Manns Beschreibungs- und Satzbaufuror setzt Monika Maron eine gewisse Schlichtheit, aber auch sie ist hochgestimmter, als man sie zuletzt erlebte. Das Wort „Corona-Regime“ kommt ihr eher beiläufig in den Text und hat ja auch eine Doppeldeutigkeit. Über weite Strecken – sofern hier von weiten Strecken die Rede sein kann – will „Bonnie Propeller“ nichts über sich selbst hinaus bedeuten.

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