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Kleidung ist vielmehr als nur die Hülle des Körpers, sie spiegelt selbst persönliche Überzeugungen wider.

Buchmesse - Modekolumne #2

Die modische Inszenierung des Ichs

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Es geht um Intellekt, nicht um Aussehen und dennoch werden auf der Frankfurter Buchmesse modische Statements gesetzt ? ebenso bewusst wie unbewusst. Die Kolumne beobachtet die Besucher*innen.

Dass man der Mode nicht entkommt, hat Karl Lagerfeld bereits vor einigen Jahren festgestellt, denn Mode sendet immer auch eine Botschaft, die durch bewusste Kleiderwahl unterstrichen wird. Manchmal ist dies auch einfach nur Gleichgültigkeit der Kleidung gegenüber. Die vestimentäre Kommunikation findet selbst an Orten und in Veranstaltungen statt, bei denen es eigentlich nicht um Mode geht, wie beispielsweise auf der Frankfurter Buchmesse. Hier liegt der Fokus auf Büchern und Verlagen, jede*r steht in irgendeinem Zusammenhang damit – es ist ja nicht die Fashion Week. Und dennoch gleichen die Flure und Hallen den Laufstegen der Modenschauen, nur eben nicht im klassischen Sinne.

Niemand erscheint nackt. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Besucher*innen. Mode ist längst nicht mehr nur eine Nische, sondern hat sich vielmehr zum „sozialen Totalphänomen“ entwickelt, wie der Soziologe und Ethnologe Marcel Mauss schreibt. Jedes Kleidungsstück unterstreicht die eigene Persönlichkeit, der Körper wird zur Projektionsfläche für die eigene Identität, es besteht ein Link zur Psychologie.

Selbst wenn jemand von sich behauptet, sich nicht für Mode zu interessieren – Fashion sei sowieso nur oberflächlich – ist auch das ein Statement, das durch die Wahl der Bekleidung unterstrichen wird. Anstatt Trends zu folgen und regelmäßig die Fast-Fashion-Läden abzuklappern, wird auf zeitlose Klassiker gesetzt und selten eingekauft. Logischerweise gibt es im Gegensatz dazu auch Besucher*innen, die sich für Mode interessieren und das durch ausgefallene Accessoires, ebenso schlichte wie auffällige Hosenanzüge oder außergewöhnliche Kleider zeigen.

Ganz egal, ob das Interesse nur den Büchern der Messe oder auch der Mode gilt, die Hülle des Körpers kann so individuell sein wie die Träger*innen selbst. Man sagt, die Augen seien der Spiegel der Seele, doch auch Kleidung kann das sein.

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