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Krimi Jan Weiler

Mitte 40, verheiratet, zwei Kinder

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Jan Weilers feiner kleiner Krimi „Kühn hat zu tun“, bei dem sich eine Fortsetzung anbietet: "Kühn hat wieder zu tun".

Noch einer, denkt man augenrollend, der spät auf den Zug aufspringt. Noch einer, stöhnt man leise, der die Halde an „Spannungsliteratur“ vergrößert. Jan Weiler, Jahrgang 1967, hat doch wohl schon genug verdient mit „Marie, ihm schmeckt’s nicht“ und „Das Pubertier“. Aber nein, da schreibt er nun auch noch einen Krimi. Ausgerechnet. Aufschlagen tut man ihn, den Krimi, zunächst eigentlich nur des schön lakonischen Titels wegen: „Kühn hat zu tun“. Und hat sich ruckzuck festgelesen, obwohl man das Buch am Ende nicht gerade einen Pageturner nennen würde. Seltsam.

Der zu tun habende Kühn also ist 44, verheiratet, zwei Kinder. Er hat einen Job als Kommissar und ein Häuschen in einer Münchner Neubausiedlung, unter der und in der nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Unter der, weil eine Munitionsfabrik so allerhand Schadstoff-Schweinereien hinterlassen zu haben scheint. In der, weil nicht weit vom Häuschen im Graben ein Toter liegt, schrecklich ermordet. Ein Kind aus der Nachbarschaft ist außerdem verschwunden. Ob das eine mit dem anderen zu tun hat, kann der Kommissar natürlich nicht sagen, aber es wäre schon ein komischer Zufall ...

Den klärt er eh gleich auf

Eigentlich gibt es noch einen dritten Fall für Kommissar Kühn, aber den klärt er eh gleich auf, von Jahren der Verbrechensbekämpfung weise gemacht. Anderes liegt ihm vor der Nase, und der Leser ahnt zeitig, wie es sich mit dem Täter verhält. Konstruktionstechnisch lässt dieser Krimi zu wünschen übrig.

Aber mit Kühn, Martin Kühn, ist Jan Weiler eine Figur gelungen, deren Ratlosigkeit und Resolutheit, Mutterwitz und Mitleid, Feigheit (er traut sich einfach nicht, seiner Tochter zu sagen, dass er kein Geld hat für ein Pony) und geistige Flexibilität so etwas angenehm Fehlbares haben. Er ist jemand, der sich bemüht, und dieses Wort braucht hier keinen Zensuren-Beiklang zu haben. Er trapst ins Büro wie andere Leute auch, er besorgt im Supermarkt Gartenerde, wenn seine Frau ihn darum bittet, er zischt mit seinem Nachbarn ein Bierchen und kriegt große verlegene Augen angesichts einer Nachbarin, die ihr Geld auf der heimischen Couch verdient.

Doch, man kann sich vorstellen, irgendwann mit Interesse „Kühn hat wieder zu tun“ zu lesen.

Jan Weiler: Kühn hat zu tun. Roman. Kindler 2015. 320 Seiten, 19,95 Euro.

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