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Am Ende bricht der Anschlag von Hanau in den Roman von Mithu Sanyal herein. Das Foto zeigt ein Gedenkplakat zum ersten Jahrestag.
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Am Ende bricht der Anschlag von Hanau in den Roman von Mithu Sanyal herein. Das Foto zeigt ein Gedenkplakat zum ersten Jahrestag.

„Identitti“

Mithu Sanyal im Literaturhaus Frankfurt: Wenn die „kritische Masse“ erreicht ist

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
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Mithu Sanyal stellt ihren Roman „Identitti“ im Livestream des Frankfurter Literaturhauses vor

Mithu Sanyal lag in den vergangenen Jahren oft richtig. Die Autorin veröffentlichte zwei Sachbücher („Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ und „Vulva – die Enthüllung des weiblichen Geschlechts“) und traf damit den Nerv der Zeit. Dieser Tage ist es vor allem Identität, über die gesprochen, geschrieben und gestritten wird. Und wieder scheint die 1971 in Düsseldorf geborene Sanyal genau richtig zu liegen. „Identitti“ heißt Sanyals aktuelles Buch, das die Autorin am Dienstagabend im Frankfurter Literaturhaus vorstellte. Ein Roman diesmal, ihr Debüt, für das Sanyal viel Lob erhält.

In seinem Zentrum steht die Beziehung zweier Frauen. Nivedita Anand ist Studentin an der Uni Düsseldorf, identifiziert sich als Person of Color (deutsche Mutter, indischer Vater) und bloggt über Identitätspolitik, Sex und Brüste. Ihr Pseudonym gibt dem Buch seinen knalligen Titel: Identitti.

Ihre Professorin Saraswati lehrt Postcolonial Studies und ist eine solche Koryphäe, dass sie auf einen Nachnamen verzichten kann. Wie ihre Lieblingsschülerin Nivedita ist auch Saraswati Person of Color. Um den weißen Studierenden Rassismus erlebbar zu machen, wirft die Professorin sie auch gerne mal aus ihren Seminaren.

Dann aber kommt heraus, dass alles ganz anders ist: Denn Saraswati hat ihre Herkunft unterschlagen, hat geschwindelt – eigentlich ist sie weiß und heißt Sarah Vera Thielmann. Kulturelle Aneignung, Skandal! Es folgt eine Debatte um Identität und Herkunft, die sich selbst ganz anders entwickelt als gedacht.

„Die Zeit ist reif, darüber zu reden“, sagte Sanyal im Gespräch mit der Literaturkritikerin Miryam Schellbach. Die Romanform habe sie gewählt, weil es bei Fragen der Identität nicht nur um Zahlen und Fakten gehe, sondern auch um Geschichten.

Hanau als Schlusspunkt

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten habe die Gesellschaft oft mit Scheuklappen am Thema Identität vorbeigeschaut. Inzwischen habe sich aber eine kritische Masse gebildet, die über Identität, das Weiß- oder Schwarzsein sprechen wolle, sagte Sanyal. In den Verlagsprogrammen und auf den Bestsellerlisten gebe es derzeit viele People of Color. „Und das ist großartig, weil ihre Bücher miteinander kommunizieren können.“

Rund 250 Menschen hatten sich nach Angaben des Literaturhauses per Livestream zugeschaltet. Sie sahen ein angeregtes Gespräch über Identitätspolitik, über das Verständnis des Begriffs Person of Color, über Rassismus und auch über das literarische Arbeiten mit dem Anschlag von Hanau, der als ein Schlusspunkt in den Roman hereinbricht.

Die Morde hatten Sanyal im vergangenen Jahr „aus dem Schreiben und aus dem Leben herausgeworfen“. Es sei ihr wichtig gewesen, die Namen der neun Ermordeten im Roman zu haben. „Ich hoffe, dass es gelesen wird als das, was es gemeint ist: als meine Form, Respekt zu erweisen.“

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