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Mitdenken, zurückdenken

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Von: Cornelia Geissler

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Ein Fuchs ist kein Mensch, aber Füchse und Menschen können miteinander auskommen.
Ein Fuchs ist kein Mensch, aber Füchse und Menschen können miteinander auskommen. © rtr

Überhaupt denken: Feine neue Kinderbücher erzählen von Tier und Mensch.

Ein Fuchs im Herz eines Menschen Ein Tier ist kein Mensch, aber ein Hund kann der beste Freund des Menschen sein. Ein Fuchs ist kein Hund, aber wenn er als Welpe in Menschenhände gerät, kann er zahm werden. Von der engen Beziehung zwischen dem zwölfjährigen Peter und seinem Fuchs Pax handelt dieses Buch. Sara Pennypacker wählt eine ungewöhnliche Erzählsituation: Sie beginnt mit der Trennung der beiden. In den Kapiteln, abwechselnd aus Peters und Pax’ Perspektive geschrieben, lässt sie parallel zum Fortschreiten des Geschehens die Vergangenheit ablaufen. Peter, der seine Mutter verloren hat und dessen Vater unfähig ist, Gefühle zu zeigen, braucht das Wesen, das den Weg in sein Herz gefunden hat. Die Suche nach Pax führt ihn auch zu einem anderen Menschen. Pennypacker deutet Abgründe an und findet Bilder für Gefühle. Ihr Buch lässt den Leser manchmal zittern, so nahe geht es. Dennoch wahrt die Autorin die Distanz zwischen den Spezies; ein Fuchs ist kein Mensch. Ab 10 Jahren.

Sara Pennypacker: Mein Freund Pax. A. d. Engl. v. Birgitt Kollmann. Ill. Jon Klassen. Sauerländer, Frankfurt a. M. 2017. 304 S., 16,99 Euro.

Eine Gedankenreise Aus Erinnerungen an Erlebnisse in Stadt und Land entwickeln sich auf den linken Seiten Abenteuergeschichten mit vorstellbaren und unvorstellbaren Elementen. Ein Regenbogen wächst aus der Wiese, ein Zwerg fährt Fahrrad, ein Fuchs schreibt sein Testament. Die Geschichten regen an zum Zurückdenken und Weiterspinnen. Die farbigen Bilder auf den rechten Seiten mit einem Jungen und einem Mädchen als Helden bergen einen besonderen Witz; auch hier kreuzen sich Fantasie und Realität. Und dann sind da noch kleine Bleistiftzeichnungen, die ihr Eigenleben unter den Texten führen. Sie zeigen ein altes Paar. „Weißt du noch?“, wie das Buch heißt, ist eigentlich keine Kinderfrage. So ticken doch Erwachsene. Kinder fragen eher: Und was kommt jetzt? In dem Gedankenreisebuch des so fantastischen wie poetischen Autors Zoran Drvenkar und der Illustratorin Jutta Bauer verbinden sich Zeiten und Generationen. Ab 5 Jahren.

Zoran Drvenkar / Jutta Bauer: Weißt du noch. Hanser, München 2017. 32 S., 14 Euro.

Philosophischer Blick auf die Zeit Arthur Miller (1915–2005) ist als Dramatiker berühmt geworden. Ein einziges Kinderbuch hat er verfasst, das Ende der 1960er-Jahre auch nach Deutschland gelangte, Ost wie West. Manch ein Erwachsener erinnert sich gern an „Jannis Deckchen“, vor allem dann, wenn das Buch eigenen Erfahrungen des Aufwachsens entsprach. Nun hat der Berliner Verlag Kleine Gestalten „Jane’s Blanket“ neu übersetzen lassen und die Original-Illustrationen von 1963 dazu gestellt. Das Mädchen heißt jetzt moderner Hanna, doch die Geschichte ist zeitlos: Ein Kind liebt seine erste Kuscheldecke über die Jahre hinweg. Sie ist ein Zeichen der Geborgenheit und des Trostes. An der Decke erkennt Hanna irgendwann, wie die Zeit vergeht. Warmherzig und philosophisch erzählt Arthur Miller, in diesem Fall im Grunde für jedes Alter. Ab 4 Jahren.

Arthur Miller: Hannas Kuscheldecke. A. d. Engl. v. Frank Heibert. Ill. Al Parker. Kleine Gestalten, Berlin 2017. 64 S., 19,90 Euro.

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