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Las und sprach in der Romanfabrik in Frankfurt: Michael Wildenhain. Foto: Marijan Murat.
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Las und sprach in der Romanfabrik in Frankfurt: Michael Wildenhain.

Online-Lesung in Frankfurt

Michael Wildenhain in der Romanfabrik: Von Indien ein Quantensprung

  • vonStefan Michalzik
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Michael Wildenhain im Romanfabrik-Stream über seinen neuen Roman.

Michael Wildenhain amüsiert sich immer wieder diebisch an diesem Abend, offenkundig über die Raffinesse der erzählerischen Konstruktion in seinem jüngsten Roman „Die Erfindung der Null“ aus dem er per Livestream aus der Frankfurter Romanfabrik las. Vordergründig betrachtet handelt es sich um einen Kriminalroman bei dieser Geschichte des vormals gefeierten Mathematikprofessors Martin Gödeler, der tief abgestürzt ist und nun eine Zuflucht in Stuttgart als Nachhilfelehrer gefunden hat. Der Endfünfziger wird des Mordes an seiner jüngeren Geliebten verdächtigt.

Michael Wildenhain ist diplomierter Informatiker, darüber hinaus hat der in Berlin lebende Schriftsteller Mathematik, Philosophie und Wirtschaftsingenieurswesen studiert. Er habe es im Sinn gehabt, sagte er im Gespräch mit Michael Hohmann, Leiter der Romanfabrik, Techniken der Mathematik auf das Erzählen zu übertragen. Wovon nicht zuletzt Kapitelüberschriften wie „Induktionsschritt“ künden.

Es schleicht sich wieder ein

Einen auktorialen Erzähler gibt es nicht, das Buch ist aus der Perspektive des Ich-Erzählers Martin Gödeler geschrieben. Ob der Suggestivkraft der allgegenwärtigen Bilder, bei denen es immer einen auktorialen Erzähler gebe, nämlich die Kamera, so Wildenhain, finde er es schwierig, heute auktorial zu erzählen, ohne albern zu wirken. Wofür es natürlich Gegenbeispiel en masse gibt. Aber das auktoriale Moment schleiche sich von hinten wieder ein: es sei ja offenbar, dass da jemand ist, der die Konstruktion überblickt.

Mathematik, Naturwissenschaften, Aufklärung – das ist ein Komplex, der Wildenhain bereits öfter beschäftigt hat. In vielen Debatten werde Aufklärung gleichgesetzt mit dem Humanismus. Die humanistischen Werte jedoch seien schon im Christentum und davor angelegt gewesen. Wildenhain verwies auf den fundamentalen Punkt einer Religionskritik, in Form des Verweises auf die Wirklichkeit. Nun sei es möglich gewesen, die Wirklichkeit analytisch zu betrachten, da die Instrumente zur Verfügung standen, praktisch wie theoretisch.

Es klärte sich auch auf, was es mit dem Titel auf sich hat. Mathematik- wie menschheitsgeschichtlich, so Wildenhain, habe die Erfindung der Null einen Quantensprung markiert. Die Null erst, von Indien über den arabischen in den abendländischen Raum eingezogen, habe in der Renaissance eine höhere Mathematik und damit viele wissenschaftliche Verfahren möglich gemacht. „Die Römer konnten nur immer nur Streichhölzchen zählen und Querstriche machen.“

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