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Der Fluss, ein spannender Ort.

Martin Michael Driessen

Menschen, für die alles am Fluss ist

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Überraschende und markante Erzählungen des Niederländers Martin Michael Driessen.

Flüsse sind spannende, manchmal ungemütliche Orte. So oder so ist in Bewegung, wer sich hier nicht festhält. Allerdings hat der belgische Schauspieler, um den es in der ersten von drei Fluss-Erzählungen geht, bereits zuvor den Halt verloren. Über sein Alkoholproblem will er auf einer Kanutour nachdenken, eine ärgerliche Situation eskaliert aber total. „Es war sehr schlecht, was hier passierte, es war falsch, er wollte nur noch, dass es endlich vorbei war.“ Verblüfft findet man sich in einer Kriminalhandlung wieder, die der Polizei Rätsel aufgeben wird.

Der Titel der Erzählungen, „Fleuve sauvage“, führt zu dem Hollywood-Film „Wilder Strom“ – an Flüssen führt immer eines zum anderen –, für den der labile Montgomery Clift seinerzeit einen Vertrag unterzeichnen musste, nach dem er während der Dreharbeiten keinen Tropfen Alkohol trinken durfte.

Martin Michael Driessen: An den Flüssen. Erzählungen. A. d. Niederl. v. Gerd Busse. Wagenbach. 144 S., 18 Euro.

Das ist jetzt simpelstes Internet-Wissen, demonstriert aber auch, wie der Niederländer Martin Michael Driessen in seinem Band „An den Flüssen“ ganz beiläufig und entspannt weitere Ebenen einzieht. Der schon wieder reichlich betrunkene Schauspieler (das ist auch Driessens Beruf, wenn er nicht schreibt) zitiert auch am laufenden Band Shakespeare. Kein Mensch muss sich darum kümmern, um die doch psychologische Plausibilität und den lakonischen Stil würdigen zu können.

Zumal die zweite Geschichte mit einer ganz anderen Umgebung überrascht. Die Szene wechselt von der Aisne an den Main ins Fränkische, wo noch Holzflößer hart arbeiten. Hier lernen sich Julius, Sohn des Chefs, und der Tagelöhner Konrad kennen, gehen wieder getrennte Wege, treffen sich wieder, gehen schließlich gemeinsam auf eine Reise bis zum Meer. Auch in „Reise zum Mond“ gibt es Gewalt und Grobschlächtigkeit, die in der dritten Erzählunge, „Pierre und Adèle“, ins eher Lustige kippt. Zwischen dem Besitz einer hugenottischen und dem einer katholischen Familie fließt ein Bach und trennt die Grundstücke. Der Verlauf ist aber variabel nach Art von Bachläufen. Ein Ärgernis, das hier aber nicht in Richtung „Romeo und Julia“ geht, sondern in Richtung Happyend.

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