Meister des Küchensalons

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Zum Tode der Jerusalemer Institution Gad Granach

Wenn man Jerusalem überdachen könnte, pflegte Gad Granach zu sagen, wäre es eine geschlossene Anstalt. Eines seiner Bonmots, die so unvergessen bleiben werden wie er selbst, den man eine Jerusalemer Institution nennen könnte. Eine, die im Küchensalon Hof hielt, aus dem Leben plauderte, Witze machte zum Mitdenken, -fühlen, -lachen.

Vor Publikum blühte Gad Granach auf. Ein Erbe seines Vaters, Alexander Granach, einer der berühmtesten deutschen Schauspieler im Berlin der wilden Zwanziger. Nur dass Gads Metier nicht das große Theater war, sondern die Kleinkunst, und die weniger aus Berufung als aus Spaß. Nichts Menschliches war ihm fremd, weder Liebe noch Leidenschaft, weder die Schwäche für Cabrios noch für Klatsch. Das alles vermengte er zu einer Alltagsphilosophie-Mischung, so gelungen wie seine Suppe aus Hühnerhälsen, Gemüse und Resten.

„Sprechsteller“ nannte er sich, weil er lieber erzählte als aufschrieb. So entstand sein Buch „Heimat los! – Aus dem Leben eines jüdischen Emigranten“. Geboren 1915 in Berlin, wo ihn neben dem Glamourleben des Vaters das links-alternative Milieu seiner alleinerziehenden Mutter prägte, hatte er sich 1936 noch rechtzeitig vor den Nazis ins Mandatsgebiet Palästina davonmachen können. Er war sich für keinen Job zu schade, im Kibbuz, als Lokführer. Und immer spielten Frauen eine große Rolle. Nur mit dem Heiraten tat er sich schwer. „Man weiß ja in einer Beziehung nicht, was schlimmer ist: dass es vorbei sein könnte oder dass es nie aufhört.“

Auftritte bei „Bio“ und Talkshows mit Henryk Broder machten ihn auch in Deutschland bekannt. Iris Berben flirtete mit ihm in seiner Wohnküche, in der sich alles traf – „Hoch und niedrich, Arsch und Friedrich“, wie er zu sagen beliebte. Am Donnerstag starb Gad Granach im Alter von 95 Jahren in Jerusalem. Der verrückten Stadt, die ohne ihn schwerer auszuhalten sein wird.

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