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Der schwedische Autor Henning Mankell hat schon oft die Bestseller-Listen gestürmt.
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Der schwedische Autor Henning Mankell hat schon oft die Bestseller-Listen gestürmt.

Mankells neuer Roman "Der Chinese"

Mehr als nur ein Krimi

18 Tote sind der blutige Auftakt von Henning Mankells neuem Roman "Der Chinese". Die Spannung hält bis zum Schluss an und wieder zeigt sich: Der schwedische Autor ist kein Freund von plumpen Auflösungen.

Wien (dpa) - Gleich am Anfang des Buches gibt es 18 Tote, brutal hingemetzelt, einige davon zerstückelt. Kein Auftakt für Zartbesaitete, typisch Henning Mankell. Bei dem Massaker in dem schwedischen Dorf Hesjövallen werden fast alle Bewohner getötet. Der Mörder ist systematisch von Haus zu Haus gezogen und hat seine Opfer erst gequält und dann getötet. Eigentlich lässt das nur den Schluss zu, dass es ein Wahnsinniger war. Aber die Leser von Mankells neuem Roman "Der Chinese" ahnen schnell: So einfach kann es nicht sein, wahrscheinlich ist es viel schlimmer.

Spannung bis zum Schluss

Spannung zu erzeugen ist für den schwedischen Autor, der durch seine düsteren "Wallander"-Krimis berühmt geworden ist, nie ein Problem gewesen. Auch diesmal beginnt der Roman in dieser Hinsicht auf denkbar hohem Niveau, und Mankell hält das auch auf den folgenden gut 600 Seiten durch. Die Phase, in der er fast ausschließlich Krimis schrieb, hat er hinter sich gelassen. Und auch "Der Chinese" ist mit "Krimi" nur unzureichend charakterisiert.

Tote gibt es zwar mehr als genug und mit Vivi Sundberg auch eine Polizistin, die zum Tatort eilt, die Spurensicherung organisiert und sich ihre Gedanken macht. Aber weit kommt sie damit nicht, und bald wird sie zur Randfigur. Ein Tatverdächtiger wird festgenommen, gesteht und bringt sich um.

Kein Freund von plumpen Auflösungen

Den Leser interessiert das kaum, er weiß, Mankell ist kein Freund von plumpen Auflösungen. Und die Morde in Hesjövallen sind auch gar kein Kriminalfall im klassischen Sinn. Das machen spätestens die folgenden Kapitel deutlich, die zunächst in China in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielen und die Geschichte dreier Brüder erzählen, die aus ihrem Dorf vor Armut und Rechtlosigkeit nach Kanton fliehen.

Doch ihre Hoffnungen trügen. Verbrecher überfallen sie und verkaufen sie an Menschenhändler. Per Schiff werden sie nach Nordamerika gebracht, wo Chinesen als Billigarbeitskräfte beim Bau der Eisenbahn schuften müssen, verachtet und misshandelt von den weißen Vorarbeitern, die aus Europa kommen, aus Schweden zum Beispiel. Am Schluss schafft es nur einer der drei, in seine Heimat zurückzukehren.

Kriminalliteratur in Zeiten der Globalisierung

Was die eine Geschichte mit der anderen zu tun hat, findet die Polizei nicht heraus. Das ist die Aufgabe von Birgitta Roslin, Richterin aus Helsingborg, unglücklich verheiratet, sensibel, intelligent und hartnäckig. Die Pflegeeltern ihrer Mutter wurden in Hesjövallen ermordet, und die Juristin fragt sich, warum bloß. Die Suche nach einer Erklärung führt sie quer durch Schweden, nach Kopenhagen, Peking und London. Mankell lässt einige Passagen des Romans aber auch in Simbabwe und Mosambik spielen - Kriminalliteratur in den Zeiten der Globalisierung.

Der schwedische Autor spannt in jeder Hinsicht einen ganz weiten Bogen. Denn "Der Chinese" erzählt nur vordergründig die Aufklärung des Massenmordes. Dahinter steht die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Schuld die "erste Welt" gegenüber den einst kolonialisierten Ländern hat und was passiert, wenn einzelne Mächtige in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie China anfangen, offene Rechnungen persönlich zu begleichen. Mankells Antwort ist ganz sicher weit hergeholt, aber spannend bleibt sie bis zum Schluss.

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