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Åsne Seierstad bleibt sachlich, nüchtern – gar nicht so leicht.

Norwegische Autorin

Åsne Seierstad über Mechanismen der Radikalisierung

Åsne Seierstad spricht über ihr Buch „Einer von uns“ und rechtsextremen Terror.

Anders Breivik und seine Taten prägen Norwegen, aber auch ganz Europa, bis heute. Die blutigen Anschläge von 2011 und das hinterlassene Manifest des Terroristen lösten eine Entwicklung rechtsextremen Terrors aus, die zuletzt im Anschlag von Halle mündete, aber sicher nicht endete.

Åsne Seierstad, norwegische Journalistin und Schriftstellerin, hat am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse ausführlich über Radikalisierung und das Wesen des rechtsextremen Terrors gesprochen. In ihrem Buch „Einer von uns“ beschreibt sie akribisch die Anschläge Breiviks und dessen Hintergründe. Ihr Buch ist in einem neutralen Ton geschrieben. Sie verzichtet bewusst auf persönliche Wertungen, um die Anschläge zu zeigen, wie sie waren.

Auf der Messe redet Seierstad über die Mechanismen rechtsextremer Radikalisierung. Wie bei Breivik würden hierbei vor allem persönliche und psychologische Gründe eine Rolle spielen. Täter seien meist gesellschaftlich isoliert und hätten kaum soziale Kontakte. In dieser Lage entstehe die Opferrolle, in der viele der Männer sich sähen. Die Schuld an ihrer Situation gaben sie der Gesellschaft.

So war es auch in Breiviks Fall. Breivik, narzisstisch veranlagt, habe schnell ein Feindbild für sich gefunden, den Islam und die Muslime in Europa. Seine Tat war ein Angriff auf die offene norwegische Gesellschaft, die er für die Muslime in Norwegen verantwortlich machte.

Seierstad zeigt auf, dass die oft populär gemachte Einzeltäterthese der Realität nicht standhält. Es ließen sich klare Verbindungen zwischen rechtsextremen Terroristen erkennen. So hätten Breiviks Schriften den Christchurch-Attentäter in Neuseeland klar beeinflusst. Auch der Anschlag von Halle, dessen Täter sich vom Christchurch-Attentat geprägt sah, lässt sich in diese Chronologie einfügen. Durch die jeweils hinterlassenen Manifeste soll das „Vermächtnis“ der Attentäter weitergegeben werden. So lese sich Breiviks Manifest teilweise wie eine Textbuchanleitung für Terroristen. Åsne Seierstad Worte zeichnen ein klares und erschreckendes Bild von einer wachsenden und keinesfalls unvernetzten Szene.

Von Janis Berling

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