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Max Goldt im Mousonturm: Über kaltes Duschen

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Von: Stefan Michalzik

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Max Goldt, auch in diesem Jahr zu Gast in Frankfurt. Foto: Axel Martens
Max Goldt, auch in diesem Jahr zu Gast in Frankfurt. Foto: Axel Martens © Axel Martens

Alte und neue Pointen: Max Goldt einmal mehr im Frankfurter Mousonturm und wieder ziemlich gut. Nein, sehr gut.

Zunächst einmal setzt er sein Publikum ins Bild. Erste Hälfte, zirka 60 Minuten, Pause, dann zweite Hälfte, hernach Signieren am Bücherstand im Foyer. Gebraucht hätte es das nicht, doch es gehört dazu. Seit geschätzt drei Jahrzehnten kommt Max Goldt um Weihnachten herum nach Frankfurt kommt, auch diesmal wieder in den Mousonturm, für zwei Abende.

Ein großes Vergnügen, nach wie vor. Am zweiten Abend trug Max Goldt vorwiegend ältere Texte sowie Textfassungen von Comics des Duos Katz & Goldt vor, in dem er den Part des Szenaristen innehat. Hübsch natürlich immer, wenn ältere Texte eine ungeahnte „Aktualität“ erlangen. Vom damaligen „Titanic“-Chefredakteur Oliver Maria Schmitt wurde der langjährige Kolumnist der Satirezeitschrift 2004 mitgenommen auf eine Pressereise nach Katar, wo eine Propagandistin dem seinerzeit unter einer eher mangelnden Wahrnehmung leidenden Land in Sachen Tourismus enervierend auf die Sprünge zu helfen trachtete – und ein Sportattaché salbaderte von der Zukunft des Landes als Austragungsort internationaler Großereignisse. „Über kaltes Duschen“ heißt ein Text von 1997, in dem es um die Vorzüge dessen wie auch die Abwegigkeit des Schimpfwortes „Warmduscher“ geht, widersinnig in einer Gesellschaft, in der kaum einer kalt duscht.

Wohin mit all den Pelikanen

In „Väter im Türspalt“, der Titelstory des neuesten Katz-&-Goldt-Bandes, kocht ein Gastgeber einen ukrainischen Zwiebeltopf mit Lorcheln nach dem Rezept aus einem Ukraine-Solidaritäts-Kochseminar. Abstruse Wendungen haben einen erheblichen Anteil an der Wirksamkeit dieses Humors mit Goldrand. In „Die Prophezeiung“ imaginiert Goldt eine massierte Ausbreitung von Pelikanen in unseren Städten. Was tun mit ihnen? Man könnte sie zum Pilzesammeln abrichten. Anfänglich würde womöglich manch ein Feinschmecker ein Schnabelsackaroma monieren – bis ein Starkoch aus Badenweiler mit Pelikanspeichel fermentierte Pilze zur allerhöchsten Delikatesse erklärte.

Herrlich auch das Räsonnement über Radiosender, die Kurzaufnahmen abspielen, auf denen die „Yvonne aus Hohenschönhausen“ freudig kundtut, wie gerne sie den Sender hört. Man stelle sich vor, in einer Novelle von Knut Hamsun erklärte auf einmal ein „Tobias aus Hannover“, dass er diesen Klassiker der skandinavischen Frühmoderne furchtbar gerne liest. Der „Kreativitätsvernichter Nummer eins“ sei das Publikum: „Applaus ist das Valium des Künstlers“ – weshalb ältere Musiker fortwährend „Oldies blöken“. Dabei zeigen sich bei einzelnen „Leseoldies“ – das Wort ist dem Titel eines seiner Hörbücher entnommen – auch im Publikum Zeichen freudigen Wiedererkennens.

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