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Wirklich alle Jahre wieder: Max Goldt im Mousonturm Frankfurt. , Foto: Axel Martens
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Wirklich alle Jahre wieder: Max Goldt im Mousonturm Frankfurt. ,

Frankfurt

Max Goldt im Mousonturm: Der Snob als Weltverbesserer

  • VonStefan Michalzik
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Über sprachbürokratische Maßnahmen und Binnen-Is: Max Goldt im Mousonturm.

An diesem Abend geht es um den Einzelesser im Restaurant, dem von einer „invasiven jungen Familie“ Einsamkeit, eine kümmerliche Rente und eine unheilbare Krankheit angedichtet werden. In einem anderen Text wird die Unsinnigkeit der „Handlung“ in Fernsehwerbespots entlarvt. In wieder einem anderen der Snobismus rehabilitiert. Weshalb gelte das Bestreben, etwas Besseres zu werden, als Todsünde? Sei die Welt denn derart gut beschaffen, dass das nicht erstrebenswert wäre? Strebsamkeit und Ehrgeiz seien genauso gute Weltmotoren wie die Liebe.

Viele Themen werden gestreift bei den Leseabenden mit Max Goldt, dem Meister eines dezenten komischen Schreibens, der mit lediglich im vergangenen Jahr unterbrochener Regelmäßigkeit immer um Weihnachten herum im Frankfurter Mousonturm gastiert. Fokussieren wir uns hier gleichwohl auf eines.

Von einer „schaumreich betriebenen Geschlechterdebatte“ spricht Goldt. Vor dem Vortrag seines neuen Textes „Frau Wentzien vom Deutschlandfunk“ betont er, dass er zur Frage des Genderns privat eine wesentlich schärfere Meinung habe; doch sei eine ausgleichende Haltung seinem Alter – 63 Jahre – angemessen, wolle man nicht irgendwann als pöbelnder Opa enden.

Neues Funktionärsdeutsch

Ausgangspunkt ist eine reale Begebenheit. Birgit Wentzien, Chefredakteurin beim Deutschlandfunk, stolperte bei einer Preisverleihung über die Regeln ihres eigenen Senders, als sie sich in einer kurzen Rede bei dem viermaligen Gebrauch der Worte „Karikaturistinnen und Karikaturisten“ viermal verhaspelte. Für Goldt der Aufhänger zu einem, sagen wir: milden Wettern gegen das „neue Funktionärsdeutsch“, die „sprachbürokratischen Maßnahmen“, die einfach lächerlich seien. Nicht minder lächerlich allerdings, fügt er an, die Argumente der Gegenseite. Selbstverständlich sei das Gendern nicht hässlich. Was soll denn an einem Sternchen hässlich sein? Auch lasse sich das Binnen-I durchaus aussprechen, einfach mit einem kleinen Päuschen.

Es komme jedoch, wie bei allem, auf die Dosierung an. 50-mal in einer Ein-Stunden-Sendung „Patientinnen und Patienten“ sowie „Hautärztinnen und Hautärzte“ – eine „marottenhafte Befolgung“ der Regeln. Der Glaube, Sprachbürokratie führe zu Geschlechtergerechtigkeit, gleiche dem Glauben, Bill Gates wolle uns Chips einimpfen lassen. Zweifel jedoch seien der jungen und hochmütigen „voguen Szene“ fremd. „Sie sind, oh je, unstoppable“. Aber, Stichwort Unaufgeregtheit, in der jüngeren deutschen Geschichte habe es zweimal weitaus schlimmere Leute gegeben. Oh ja, Vergleiche seien angebracht, damit die großen Unterschiede und eventuell auch die kleinen Gemeinsamkeiten deutlich werden.

Nur zur Sicherheit bemerkt: Max Goldt ist keiner, bei dem zu befürchten stünde, dass er auf Abwege gerät. Er propagiert schon seit langem eine Unaufgeregtheit als Tugend in allen Dingen des gesellschaftlichen Lebens. Mithin eben auch in der Geschlechterdebatte.

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