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Der Anblick des Kriminalgerichts Moabit hatte sich kein bisschen verändert, findet Manz im neuen Krimi von Matthias Wittekindt.
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Der Anblick des Kriminalgerichts Moabit hatte sich kein bisschen verändert, findet Manz im neuen Krimi von Matthias Wittekindt.

Krimi

Matthias Wittekindt: „Vor Gericht“ – Manz hat so seine Ahnungen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Matthias Wittekindts trotz aller Gemächlichkeit spannender Kriminalroman „Vor Gericht“.

Wie sein Münchner Kollege Friedrich Ani ist Matthias Wittekindt, geboren 1958 in Bonn, ein Meister der Zwischentöne und Zwischen-den-Zeilen-Räume. Wie dieser enttäuscht er mit List die Erwartungen seiner Leserinnen und Leser. Diesmal an einen Roman, der den Untertitel trägt: „Ein alter Fall von Kriminaldirektor a. D. Manz“. Da wird einer, mag er auch pensioniert sein, am Ende brillant kombinieren und das Rätsel lösen, denkt man. Pustekuchen. Denn im wirklichen Leben gehen die Dinge selten glatt; und selbst wenn Wittekindt seine Geschichte nicht, wie hier, auf einem wahren Fall beruhen lässt, dessen Verhandlung er einst verfolgt hat, nimmt er in seinen Kriminalromanen keine Abkürzungen, biegt die Komplexität des Lebens nicht zurecht.

Ruhig, fast gemächlich erzählt er also von Kriminaldirektor a. D. Manz und seinem Ruhestand, den er unter anderem mit Freunden beim Rudern auf der Elbe verbringt. Ein wenig fad ist Manz insgesamt schon, so dass er sich nicht unwillig mit einem Fall von 1990 beschäftigt, an dem er selbst nur kurz dran war, ehe man ihn in den Osten, nach Dresden versetzte. (Wittekindt lässt übrigens durchscheinen, wie das damals die Dresdner Kollegen fanden, dass ihnen durchweg Wessis vor die Nase gesetzt wurden: Mies.)

Manz soll in einem Prozess aussagen, angesetzt 28 Jahre nach der Tat in Berlin Moabit, weil damals gesicherte DNA-Spuren jetzt ausgewertet werden konnten. Zuerst erinnert er sich gar nicht mehr an den Mord, möglicherweise auch Totschlag an einer älteren Frau, für den ihre beiden Söhne, ein Nachbar, auch ein junger Mann, ein Ungar, der bei ihr kleinere Reparaturen machte, in Frage kommen. Die Aussagen aller wichen einst stark voneinander ab, die Söhne sagten mal dies, mal das, dass es einen Schlüssel gab, dass es keinen Schlüssel gab, dass der andere beim Auffinden der Toten auch mit in der Wohnung war, dass er nicht in der Wohnung war. Aber sowieso, geben sich die Söhne überzeugt, müsse es der Ungar gewesen sein.

Das Buch

Matthias Wittekindt: Vor Gericht. Ein alter Fall von Kriminaldirektor a.D. Manz. Roman. Kampa 2021. 320 S., 19,90 Euro.

Wittekindt legt, so wie sich Manz nun nach und nach erinnert, auch nachfragt, Brotkrumen aus, hier einen Hinweis, dort ein Detail. Aber die ein oder andere Krume ist plötzlich wieder weg – so scheint es dann nämlich doch nicht gewesen zu sein im Jahr 1990. Der Mensch neigt ja nicht nur zu Lügen, auch zu schnöden Gedächtnislücken.

Vor Gericht, es ist nun der Ungar Rabach angeklagt, hat Kriminaldirektor a. D. Manz zwar später eine entschiedene Meinung, aber weder den Richter, noch den Staatsanwalt, noch nicht einmal die beiden Verteidiger interessiert diese. Er solle bei dem bleiben, was er gefragt wird. Freilich hindert ihn das nicht, ein paar Mal vorlaut zu sein – und vor allem, sich seine Gedanken zu machen.

Die Kollegin war todkrank

Die macht er sich auch über seine Ehe. Oder darüber, warum er vor Jahren gar nicht mitbekommen hat, dass die Kollegin, die öfter Kopfschmerztabletten brauchte, todkrank war. Auch darüber kann man, „Vor Gericht“ lesend, also nachdenken: Warum ist unsere Aufmerksamkeit für andere so begrenzt? Und was hat das für Auswirkungen, nicht zuletzt auf Menschen, die vor Gericht stehen? Manz hat da so seine Ahnungen. Folgen muss man diesen nicht, Matthias Wittekindt ist ein Autor, der einen pfiffig zum Selberdenken zwingt.

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