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Matthias Wittekindt „Die rote Jawa“: Was er nicht glauben will

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Von: Sylvia Staude

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Matthias Wittekindts neuer Manz-Fall „Die rote Jawa“.

Matthias Wittekindt ist vielleicht der Unaufgeregteste unter den Krimierzählern. Dies trotzdem mit vollendeten Spannungsbögen in seiner Reihe um den bereits pensionierten Manz. Wittekindt lässt ihn sich an alte Fälle erinnern, darum herum sinnieren, dabei das Sinnieren über sein Leben generell und seine Familie nicht vergessen.Im jüngsten Wittekindt-Krimi geht es sogar um den blutjungen Manz.

„Die rote Jawa“, so der Titel, ist nämlich das Zweirad, mit dem die vom 16-Jährigen angehimmelte Maja, 19, durchaus rasant unterwegs ist, als der Junge 1961 ein Praktikum macht bei Majas Vater, Brandmeister Johannson. Ein Feuerwehr-Praktikum, weil er die Schule verlassen möchte, was seine Mutter und seinen „unechten“ Vater Jochen – der echte verschwand mit einer Rothaarigen – nicht gerade erfreut. „Onkel Jochen“, ein Mann mit Beziehungen und Lebensklugheit, arrangiert die Chose, die Manz’ Leben eine Wendung geben wird, eine Wendung in die richtige Richtung. Denn weil die Feuerwehr in einem Haus zwei Tote findet, weil es ganz klar Brandstiftung war, kann der Junge herausfinden, dass er ein Talent zum Ermitteln hat. Und lässt sich danach überreden, das Abitur zu machen.

Haben sie geschlafen?

Ein Brand also, bei dem die Brandstiftung eindeutig ist – aber damit hat man den Täter, vielleicht die Täterinnen, noch lange nicht. Im Haus schlief ein Ehepaar. In einem Zelt hinterm Haus schliefen die zwei Töchter, Kirsten und Hilla; als die alarmierte Feuerwehr eintrifft, sind sie im Nachthemd und verstört. Sie gehören trotzdem zu den Verdächtigen, denn man muss nicht volljährig sein, um Benzin zu verschütten und es anzuzünden. Und ist es plausibel, dass sie noch geschlafen haben wollen, während das Feuer tobte, laut und heiß?

Das Buch:

Matthias Wittekindt: Die rote Jawa. Ein alter Fall von Kriminaldirektor A. D. Manz. Kampa 2022. 224 S., 19,90 Euro.

Der junge Manz glaubt nicht an die Schuld der Mädchen, will nicht daran glauben, wünscht sich, sie entlasten zu können und ist bald mit Ehrgeiz dabei. Johannson berät ihn väterlich. Maja fährt ihn ins nächste Dorf, zum Laden, in dem alle einkaufen und wo er ein paar Fragen stellen möchte. Der Junge findet freilich heraus, was er nicht herausfinden wollte: Kirsten und Hilla haben Benzin gekauft, in ziemlicher Menge, angeblich fürs draußen Kochen. Als der Kanister aber gefunden wird, ist er voll bis oben.

So wird die Sache immer geheimnisvoller. Schon der junge Manz aber ist geduldig. Scheut sich auch nicht, den ermittelnden Beamten wissen zu lassen, dass die Polizei seiner Meinung nach geschlampt hat. Hat man die Türe etwa nicht untersucht, die angeblich offen stand? Eben. Seine Mutter nennt ihn „stur“ und „Quadratschädel“ (und hat das Recht dazu, wie er findet), aber „vor dem halb abgebrannten Haus der Familie Pannwitz“ quadratschädelt er nicht. „Gut, ein bisschen rot wurde sein Kopf.“

Die kleinen Dinge, die scheinbar läppischen Details, die beachtet werden wollen, spielen eine Rolle in „Die rote Jawa“. Aber die größte Rolle spielen die Menschen, spielt Manz’ Suche und Sehnsucht (damals auch nach Maja), dann zunehmend auch die zwei Mädchen, die Waisen geworden sind. Wie Manz sieht die Leserin sie nur mit den Augen von anderen, einer Lehrerin zum Beispiel. Wie Manz muss sie sich schließlich ihre eigenen Gedanken machen, wie es gewesen sein könnte.

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