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Martin Suter erzählt in "Montecristo" auch von starker krimineller Energie: Wer Scheine doppelt druckt, hat doppelt so viel Geld.

Martin Suter „Montecristo“

Martin Suter lässt die Welt retten

Privatermittler Allmen macht Pause, dafür gilt es diesmal, die Welt zu retten: Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter holt weit aus in seinem neuen Geldwirtschaftskrimi „Montecristo“, einem Buch mit Stärken und mit Längen.

Von Martin Oehlen

Das ganz große Rad dreht Martin Suter in seinem neuen Roman „Montecristo“. Im Kern geht es um den drohenden Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Denn wenn das Vertrauen in die Schweizer Bankenwelt rissig werden sollte, dann ist nicht nur der eidgenössische Finanzplatz in Gefahr – sondern auch der Alpenstaat, Europa, ja, letztlich die ganze Welt. Der globale Crash nach der Pleite der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2007 ist da das schreckende Beispiel.

Der Schweizer Autor versorgt seine Fans seit geraumer Zeit mit den leichtgängigen Kriminalfällen des Privatermittlers Allmen. Doch im jüngsten Buch muss der Lebemann pausieren und dem Journalisten Jonas Brand das Feld überlassen.

Ein Toter in einem Eisenbahntunnel („Personenschaden“), der Verdacht auf doppelt gedruckte Geldscheine („Doppelzifferungen“) – das ist zwar heftig, aber noch kriminalistischer Standard. Doch weil Journalist Brand bei seinen Recherchen nicht locker lässt, wird die Luft für alle Beteiligten immer dünner. Spätestens als der Finanzexperte Max Gantmann bei einem Wohnungsbrand ums Leben kommt, wächst der Verdacht: Die Finanzwelt geht über Leichen.

Martin Suters neuester Fall kommt nur langsam ins Rollen. Tatsächlich hat dieser Geldwirtschaftskrimi einen starken Plot, den der Bestsellerautor allerdings sehr streckt, ohne seine Leser dabei immerzu bei Laune halten zu können.

So geht es auch noch um die Liebe und um die Kunst – Jonas Brand hat nämlich überraschend den Zuschlag erhalten, seinen Film „Montecristo“ drehen zu können. Beide Motive sind zwar wichtig für die Entwicklung und für die Lösung des Falles, aber zugleich bedürfen sie einer Ausgestaltung und Pflege, die viel erzählerischen Aufwand erfordert.

Die Rettung der Welt, nicht mehr sei hier verraten, gelingt auf eine erfrischend realistische, gleichwohl ganz und gar nicht idealistische Art. Zum großen Showdown findet sich Kronzeuge Jonas Brand im Kreis von Politik und Finanzwirtschaft wieder: Die Herren sprechen mal ganz im Vertrauen mit dem Journalisten. Und bestätigt wird, was alle wissen: Der Klüngel ist ein weltweites Phänomen. Und eine Seifenblase ist etwas Feines, so lange sie nicht platzt.

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