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Ein sehr trockener Fallwind, unter dem sich leicht etwas entzündet: Santa-Ana-Wind. Foto: Nasa
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Ein sehr trockener Fallwind, unter dem sich leicht etwas entzündet: Santa-Ana-Wind.

Wetterextreme

Martin Hedberg: „Extremes Wetter“ – Ohne Blitz kein Leben

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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„Extremes Wetter“, ein Buch des schwedischen Meteorologen Martin Hedberg, ist so spektakulär wie lehrreich.

Einhundert äußerst eindrucksvolle Fotos von Hurrikanen und Blitzen, von Polarlichtern und Überschwemmungen. Ein Mann hält drei Hagelkörner in die Kamera: jedes größer als ein Tennisball. Und zu jedem Foto eine Erklärung. So bleibt es nicht bei der Überwältigung, bei Angst und Schrecken, sondern man kann von seiner Couch aus in der geschützten heimischen Wohnung sich aufklären lassen über Wetter und Unwetter aufklären lassen, von denen wir abhängiger sind, als wir es uns in unserer mitteleuropäischen Nachkriegsgemütlichkeit vorstellen konnten.

Über die aus einigen Tausend Metern herabfallenden Hagelbrocken schreibt der 1967 geborene schwedische Meteorologe Martin Hedberg zum Beispiel: „Der Hagel mit seinem kompakt gefrorenen Wasser hat einen ausgesprochen winterlichen Charakter, tritt aber fast immer dann auf, wenn es richtig warm ist. Der Grund dafür ist, dass sehr viel Energie benötigt wird, um die starken Aufwinde in der Wolke zu erzeugen, die die Voraussetzung dafür ausmachen, dass sich die anfänglich kleinen Eisklumpen solange in der Wolke halten, dass sie wachsen. Die Energie stammt von der Sonneneinstrahlung, die die unteren Luftschichten erwärmt. Diese Luft steigt auf und bildet riesige Cumulonimbuswolken. In dieser Wolke beginnen Schneekristalle und Regentropfen zu wachsen. Sie klumpen zusammen und sind irgendwann so schwer, dass sie aus der Wolke fallen.“

Das Buch

Martin Hedberg: Extremes Wetter. A. d. Schwed. v. Lotta Ruegger und Holger Wolandt. teNeues, Kempen. 192 Seiten, 29,90 Euro.

Die Santa-Ana-Winde in Kalifornien kannte ich bisher nur aus dem vom Kitschier in mir immer wieder gerne gesehenen Weihnachtsfilm „Liebe braucht keine Ferien“ von Nancy Meyers. Darin fliegt Kate Winslet etwas ins Auge. Jack Black erklärt ihr, das sei der Santa-Ana-Wind, und entfernt ihr, nachdem er sie gefragt hat, ob er es darf, was ihr ins Auge geflogen war. Die Fotografie auf dieser Seite zeigt den Santa-Ana-Wind und was er anstellt. Es ist ein sehr trockener Wind, unter dem sich leicht etwas entzündet. Hier ist es eine lokale, genau abgezirkelte Katastrophe. Im Film ist es die Liebe.

Wie kommt es zu Blitzen? „Jede Sekunde ereignen sich etwa hundert Blitzentladungen“, schreibt Martin Hedberg. „Blitze verteilen nicht nur die Elektronen neu, sie sind auch Teil des Naturkreislaufs, der Stickstoff bindet. Stickstoff stellt eine wichtige Voraussetzung für alles Leben dar. Aber obwohl 78 Prozent unserer Atemluft aus Stickstoff bestehen, können weder Tiere noch Pflanzen reinen Stickstoff nutzen, da die Stickstoffatome zu fest aneinander sitzen. Die Energie der Blitze kann jedoch Stickstoffmoleküle in Einzelatome trennen, die sich anschließend mit Sauerstoff in Stickoxide verwandeln. Stickoxide lösen sich in Wasser auf, und dadurch gerät Stickstoff bei Regen in die Erde. Das ist Teil des Kreislaufs des Ökosystems. Blitzentladungen sorgen für etwa ein Zehntel der natürlichen Stickstofffixierung. Die übrige Fixierung erfolgt durch Bakterien, die Stickstoff in Symbiose mit Pflanzen ‚fressen‘.“

Verliebt hatte ich mich in das Buch wegen seiner Fotos. Das hier abgebildete stammt übrigens von der Nasa. Jetzt liebe ich es wegen der Texte von Martin Hedberg. „Extremes Wetter“ ist eines der Bücher, bei denen man sich über die eigene Ahnungslosigkeit freut, denn nur so hat man das Glück, so viel Neues zu erfahren. Gerne erliegt man dabei der Illusion, all das jetzt begreifen zu können. Und wird es demnächst doch wieder vergessen. Aber eben nicht ganz. Wie Luftschichten unterschiedlicher Temperatur aufeinander reagieren, wie Orkane entstehen, das bleibt vielleicht doch noch eine verfügbar in meinem Kopf. Zu eindrücklich ist das Foto eines Segelbootes auf einem stillen Meer. Daneben der Text: „Die Stille, die Orkane hervorbringt.“

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