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Marlene Streeruwitz

Marlene Streeruwitz: Immerhin eine Möglichkeit, das Jahr zu überleben

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Eine Video-Feier aus Wien für Marlene Streeruwitz, die den Preis der Literaturhäuser 2020 erhalten hat.

Die Welt wäre mit dem Roman durchaus zu retten“, sagte Marlene Streeruwitz. Zum Beispiel gebe es keinen anderen Weg, sich bei lebendigem Leib so vollständig in den lebendigen Leib einer anderen Person hineinzuversetzen. Hierbei fühlte sich Streeruwitz an die effektvollen Szenen in „CSI“ erinnert, wenn der Blick der Kamera durch die Adern sause, jedoch handle es sich hierbei normalerweise um ein Mordopfer. Auch sei der Roman jeder Wissenschaft überlegen, indem sich in ihm die Komplexität eines Menschen und einer Welt noch einmal ganz und gar erfassen und zusammenführen lasse, während auf anderen Gebieten die Spezialisierung dafür viel zu weit fortgeschritten sei. Das sind Überlegungen, die es in sich haben.

Im Literaturhaus Wien wurde der österreichischen Schriftstellerin jetzt der Preis der Literaturhäuser 2020 (!) verliehen, den das Netzwerk der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergibt. Zugeschaltet aus dem Frankfurter Literaturhaus, erinnerte dessen Leiter Hauke Hückstädt als Sprecher des Netzwerks daran, dass das einmal anders gedacht war. Die dazugehörige Lesetour hätte dem Roman „Flammenwand“ (S. Fischer) noch einmal Auftrieb geben sollen, was im Corona-Lockdown dann unterging. Die 20 000 Euro Preisgeld, so Streeruwitz, hätten ihr allerdings das Überleben im Jahr 2020 gesichert, in dem sie ansonsten null Verdienst gehabt habe. 700 Euro habe sie vom Staat erhalten, als zugebilligten Verdienstausfall für ein Jahr.

Eine seltene Spezies

Auf der Internetseite des Literaturhauses macht das Wort „Beginnzeit“ darauf aufmerksam, dass das Österreichische eine Sache für sich ist, aber schon eine verständliche. Im Gespräch mit dem lange im Land lebenden, aber weiter mit enormem Schweizer Akzent sprechenden Literaturkritiker Stephan Gmünder, kam darauf das Thema: Was ist in Österreich nun anders als anderswo. Streeruwitz wies auf die – anders als in Deutschland und der Schweiz – kontinuierliche Geschichte der deutschsprachigen österreichischen Gesellschaft hin, den durchschlagenden Katholizismus, das langanhaltende Hausvater-Prinzip. Österreich bilde traditionell kleine Trumps aus, so dass es ihr immer wieder erstaunlich erschienen sei, dass die Wirtschaft dennoch funktioniere. „Der reformierte Mann ist eine Spezies, nach der wir täglich suchen müssen.“

Ihre Kritik am offiziösen österreichischen Corona-Politiker-Sprech fiel erneut scharf aus, dabei, betonte sie, zeige sich in der Bevölkerung doch eine Art „Grundsolidarität“. „Die Leute machen das eigentlich sehr gut.“

Die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin Daniela Strigl hatte in ihrer Sieben-Vignetten-Laudatio Streeruwitz unter anderem als Sprachkünstlerin, Glückssucherin und Gestrenge skizziert. Sie lache selten, nehme alles ernst und persönlich. Dass es beim Marlene-Streeruwitz-Lesen trotzdem Grund zum Lachen gibt, ist dazu kein Widerspruch. Es ist die „Verächtlichmachung“ anderer, die Marlene Streeruwitz als integralen Bestandteil im (österreichischen) Humor erkennt und auf den sie darum lieber verzichtet.

Das Video findet sich weiterhin via literaturhaus.at

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