Alfred Kolleritsch, hier ein Archivbold aus dem Jahr 1983, ist jetzt mit 89 Jahren gestorben.
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Alfred Kolleritsch, hier ein Archivbold aus dem Jahr 1983, ist jetzt mit 89 Jahren gestorben.

Alfred Kolleritsch

In markanter Fortschrittlichkeit

Der österreichische Dichter und „manuskripte“-Herausgeber Alfred Kolleritsch ist tot.

Der österreichische Dichter und Herausgeber der Literaturzeitschrift „manuskripte“, Alfred Kolleritsch, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Vor allem mit „manuskripte“, 1960 von ihm mitgegründet und zuletzt gemeinsam mit Andreas Unterweger geleitet, wurde er bekannt – in der Rolle des Ermöglichers, denn hier fanden über Jahrzehnte vor allem experimentelle, sprachkritische Autorinnen und Autoren ein Forum. Der Einfluss der Zeitschrift auf den positiven Verlauf der österreichischen Literatur ist immens, Peter Handke, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker oder Elfriede Jelinek stellten hier ihre Texte vor.

Das tat auch der tschechische Dissident und spätere Präsident Vaclav Havel: In „manuskripte“ hatte er seine erste literarische Veröffentlichung außerhalb der damaligen Tschechoslowakei.

Kolleritsch, der Graz damit zu einer Literaturmetropole machte – von 1968 bis 1995 war er auch Präsident des Grazer Forums Stadtpark –, wurde 1931 in der Südsteiermark geboren. Der promivierte Philosoph arbeitete zeitweise als Gymnasiallehrer, dies bereits in markanter Fortschrittlichkeit. Dass er mit seinen Schülern am Akademischen Gymnasium in Graz Arno Schmidt, Sartre, Camus las, weckte, wie man liest, amtliche Bedenken.

Als Lyriker hatte er sich 1958 mit dem Gedicht „Es ist zu spät“ vorgestellt, einem offensichtlich fabelhaften Titel für ein Debüt. Seit Anfang der siebziger Jahre erschienen seine Lyrikbände, Kolleritsch schrieb außerdem Romane, darunter am bekanntesten wohl sein Debüt, „Die Pfirsichtöter“ von 1972. Dass sein Werk für sein „manuskripte“-Engagement in den Hintergrund trat, ließ es freilich nie verstummen. Anfang 2020 kam nach längerer Pause der Gedichtband „Die Nacht des Sehens“ im Wallstein Verlag heraus. (dpa/fr)

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