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Der Schweizer Autor Martin Suter.

Martin Suters Hommage an den Serienkrimi

Der Mann, der immer Stil hat

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Finanzielle Engpässe weiß Johann Friedrich von Allmen durch Stil zu verbergen: In Martin Suters Hommage an den Serienkrimi ist der Detektiv ein waschechter Dandy, so einer mit kugelsicheren Hosenträgern.

Kokain und Morphium nimmt Johann Friedrich von Allmen, anders als der große Sherlock Holmes, nicht zu sich. Sein Stil ist mehr ein „Chevalier-Montrachet, Grand Cru ,Les Demoiselles’, Louis Latour 1997 zu sechshundertachtzig Franken“ – auch wenn er in diesem konkreten Fall seine kess bestellende Begleitung lieber gebremst hätte, denn J.F.v. Allmen ist mal wieder pleite.

Finanzielle Engpässe freilich weiß Martin Suters neuer Held, der erklärtermaßen ein Serienheld werden soll, durch Stil zu verbergen. Der Schweizer Schriftsteller greift zurück auf einen in der Kriminalliteratur (und im wahren Leben) inzwischen raren Typus, den Dandy: Mag ihm das Wasser auch bis zum Hals stehen, auf maßgefertigte Schuhe und das Cadillac-Taxi des ebenfalls untadeligen Herrn Arnold verzichtet J. F. v. Allmen nicht. Und schon gar nicht auf das tägliche späte Frühstück im „Viennois“, wo er nur „Signor Conte“, Herr Graf genannt wird, aber trotzdem anschreiben lassen darf.

Allmens Dr. Watson heißt Carlos: Gärtner, Hausmeister, Koch, exzellenter Schuhputzer, Internet-Rechercheur und und und. Gemeinsam finden sie in „Allmen und die Libellen“ erstens heraus, wer auf J.F. geschossen hat, zweitens, wer vor zehn Jahren fünf sündwertvolle Jugendstil-Schalen Emile Gallés geklaut hat. Mit edlen Antiquitäten kennt sich Allmen nämlich aus: Als er sein beträchtliches Erbe durchgebracht hatte – die Urlaube in Aspen, die First-Class-Flüge, was soll man da machen? –, hat er sich aufs Klauen netter kleiner Schmuck- und Kunstgegenstände verlegt. „Was Allmens Vater an Weltgewandtheit fehlte, hatte Allmen zu viel.“

Martin Suter, dessen Roman „Small World“ gerade mit Gérard Depardieu im Kino zu sehen ist, ist ein äußerst geschmeidiger Schreiber. Zügig und präzise zeichnet er seine Figuren, gibt ihnen eine gehörige Zahl Marotten mit, macht sie sozusagen von Anfang an zur Marke. Man kann davon ausgehen, dass alle kommenden Titel mit „Allmen und ...“ anfangen werden. Und dass man über und wegen ihnen keine schlaflose Nacht verbringen muss.

„Jeder meiner Romane ist eine Hommage an eine literarische Gattung“, schreibt Suter zum ersten Allmen-Band, „dieser ist eine an den Serienkrimi“. Eine Hommage an dessen charmante, freundliche Variante freilich, bei der es schon reicht, wenn man kugelsichere Hosenträger trägt.

Martin Suter: Allmen und die Libellen. Diogenes Verlag, Zürich 2011, 198 Seiten, 18,90 Euro.

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