Lucky Luke im Band 99, unterwegs mit Jolly Jumper.
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Lucky Luke im Band 99, unterwegs mit Jolly Jumper.

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Lucky Luke reitet gegen Rassismus: Der Comic-Cowboy im Baumwollfeld

  • vonMichael Schleicher
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So politisch war der Cowboy noch nie wie im neuen Band „Fackeln im Baumwollfeld“. Der „Lucky Luke“-Comic erzählt von einer tief gespaltenen und „verabscheuungswürdigen“ Gesellschaft.

  • Band 99 von „Lucky Luke“ spielt in den Südstaaten der USA.
  • Der Comic setzt sich mit Rassismus auseinander.
  • Ungewohnt politisch unterhält der legendäre Cowboy „Lucky Luke“ dennoch.

Nirgendwo ist der Wilde Westen herrlicher als in Europa. Bei Karl May lesen wir von edlen Männern und tiefer Freundschaft. Filmemacher Sergio Leone und andere Italiener inszenierten die Besiedlung Nordamerikas als große Oper – in ihren „Spaghetti-Western“ staubten Helden, Halunken, Pferde und Mäntel eindrucksvoller als in Hollywood. Und gibt es eine wehmütigere, sehnsuchtsvollere Melodie als jene, die Ennio Morricone für Charles Bronsons Mundharmonika in „Spiel mir das Lied vom Tod“ ersonnen hat?

Einerseits verklärt der Blick von außen, andererseits kann er viel leichter Themen in den Fokus rücken, die schmerzen. Das zeigen nun zwei Franzosen: Seit dem Tod des belgischen Comiczeichners Maurice de Bevere (1923-2001), der seine Arbeiten mit „Morris“ signierte, setzt Achdé dessen Hauptwerk „Lucky Luke“ gekonnt fort. Jetzt erscheint Band 99 – so politisch, auch so deutlich in der Analyse des Heute wie „Fackeln im Baumwollfeld“ war bislang kein Abenteuer des Mannes, „der schneller zieht als sein Schatten“.

Lucky Luke: Comic gegen Rassismus - Sehr gute Unterhaltung

Erstmals seit seinem Premieren-Ritt im Jahr 1946 kommt der legendäre Cowboy nun in den Süden der USA – und trifft auf eine tief gespaltene Gesellschaft: Der Bürgerkrieg ist zwar beendet; die Wunden, die er geschlagen hat, liegen jedoch offen. Die einstigen Sklaven misstrauen der Freiheit und fürchten die Rache ihrer einstigen Herren – nicht ohne Grund: der Ku-Klux-Klan gründet sich, um „die Vorherrschaft der Weißen zu bewahren“, wie es an einer Stelle heißt.

Das Buch:

Lucky Luke – Fackeln im Baumwollfeld. Egmont Ehapa 2020. 48 S.; 6,90 Euro (Soft-) / 12 Euro (Hardcover).

Im Hintergrund des Comics türmt sich also wuchtige Historie auf – und es ist beeindruckend, wie elegant und selbstverständlich Achdé und sein Autor Jul diese Fakten und ihre eigenen Anliegen in die Erzählung integrieren. Natürlich ist dieser „Lucky Luke“ sehr gute Unterhaltung, liebevoll und detailversessen gezeichnet von dem 1961 geborenen Franzosen, der die Initialen seines Namens Hervé Darmenton (gesprochen: Achdé) als Pseudonym wählte. Klar nerven die Daltons die Gesetzeshüter (und erfreuen uns Leser) auch in Louisiana; freilich darf der treue Jolly Jumper das Erlebte altklug kommentieren – und ja, Luke ist schlagfertig, schnell, gewitzt, attraktiv wie eh und je: Beachten Sie nur die Plantagenbesitzerinnen!

Lucky Luke: Band 99 ein Comic gegen Rassismus - Sehr bittere Realitäten

Aber Achdé und Jul (bürgerlich: Julien Lucien Berjeaut) erzählen eben auch davon, wie brutal Ausgrenzung und Rassismus eine Gesellschaft zerstören. Als Partner stellen sie Lucky Luke dafür ein historisches Vorbild, den ersten schwarzen US-Marshal, Bass Reeves (1838–1910), zur Seite. Damit nicht genug: Die mitunter schreiende Ungerechtigkeit des Kapitalismus haben die beiden ebenso auf ihrer Agenda wie das Plädoyer, dass eine Gesellschaft nur weiterkommen kann, wenn der Zugang zu Bildung allen offen steht und Frauen gleichberechtigt sind.

Lucky Luke: Band 99 gegen Rassismus - Politischer Comic spielt in den Südstaaten USA

Das thematisieren sie mal en passant, etwa wenn die Kinder Oprah und Barack von ihren Traumberufen erzählen („Journalistin“, „Präsident der Vereinigten Staaten“). Oder sehr deutlich, wenn Lucky Luke den Plantagenbesitzer und Ku-Klux-Clan-Chef anbrüllt: „Ehrlich gesagt, finde ich ihre ,Zivilisation‘ verabscheuungswürdig.“

Unnötig zu erwähnen, dass „Fackeln im Baumwollfeld“ somit eben nicht nur eine starke, enorm spannende Geschichte aus dem 19. Jahrhundert erzählt, sondern vieles über unsere Gegenwart – nicht nur in den USA. Es ist schließlich die Macht der Natur, die den Menschen auf seine schlichte Existenz zurückwirft, dabei die Welt „auf den Kopf“ stellt. Und zum ersten Mal schimmert am Ende des Comics, bei Lukes traditionellem Ritt in den Sonnenuntergang, dann echte Hoffnung auf.

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