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Zu Füßen des Château Frontenac (ein Hotel, nie ein Schloss) sind die Archäologen unterwegs.
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Zu Füßen des Château Frontenac (ein Hotel, nie ein Schloss) sind die Archäologen unterwegs.

Kriminalroman

Hätten sie ihn nur endlich

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Louise Pennys in der Erde Québecs grabender, spannend verzweigter Kriminalroman „Heimliche Fährten“.

Die Provinz Québec empfindet sich mal mehr, mal weniger als benachteiligt und fremd, als französischsprachiges Anhängsel zum englischsprachigen Kanada – und dann schließen sich im Süden auch noch die riesigen, kulturell so anders geprägten USA an. Die Menschen hier sind in der Mehrheit katholisch, Montréal und Québec wirken mit ihren alten Innenstädten auch heute noch „europäischer“ als etwa Toronto oder Vancouver. 1980 und wieder 1995 gab es Referenden für eine Unabhängigkeit der Provinz, das zweite scheiterte bei einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent nur sehr knapp mit 50,58 Prozent Nein-Stimmen.

Der französische Seefahrer und Kolonisator Samuel de Champlain (1574-1635) gilt als der vielleicht wichtigste Gründervater Québecs, er begann 1603 mit der Erforschung der Ostküste Nordamerikas, er war der erste Gouverneur der damals stolz Neufrankreich, la Nouvelle-France genannten Kolonie. Dass Archäologen und Historiker in der Stadt Québec seit Jahrzehnten nach Champlains Grab suchen (und es bisher nicht gefunden haben, obwohl ziemlich viel gegraben wurde), das hat die anglo-kanadische Autorin Louise Penny zum Ausgangspunkt eines Kriminalromans genommen, ihres sechsten Falles mit Chief Inspector Gamache (Orig. „Bury Your Dead“, 2010). Sie hat damals vor Ort recherchiert und in der Altstadt Québecs die „Lit and His“ gefunden, die Literary and Historical Society mit ihrer altehrwürdigen Bibliothek. In einer Danksagung entschuldigt sie sich für die Freiheit, den Bewahrern eines britischen Erbes im französischen Kanada einen (fiktionalen) Toten in den Keller gelegt zu haben.

Das Buch:

Louise Penny: Heimliche Fährten. Aus dem kanadischen Englisch von Sepp Leeb. Kampa, Zürich 2020. 522 S., 17,90 Euro.

Kein Krimi ohne „Zufälle“: So erholt sich Louise Pennys Polizist Armand Gamache in Québec, bei seinem ehemaligen Mentor Émile, just von einem blutigen Showdown mit Terroristen, bei dem er und seine rechte Hand Inspector Beauvoir schwer verletzt und vier seiner Leute getötet wurden. Penny lässt Gamache nun die Lit and His entdecken, dort seinem Hobby nachgehen, der Beschäftigung mit der Geschichte Québecs im Allgemeinen und der Schlacht auf der Abraham-Ebene im Besonderen, die Franzosen und Engländer 1759 um die Herrschaft über Neufrankreich führten und die den Siebenjährigen Krieg zugunsten der Briten entschied.

Ein leidenschaftlicher Champlain-Hobbyforscher wird ausgerechnet bei den Lit-and-His-Anglos erschlagen gefunden. Die befürchten, die Québecer Polizei wird den Mörder nur unter ihnen suchen und flehen Gamache an zu helfen. Parallel hat dieser eine Aufgabe für den ebenfalls rekonvaleszierenden Beauvoir: Er soll – diskret! – prüfen, ob ein Bewohner des Ortes Three Pines, in dem Pennys Krimis üblicherweise spielen, nicht doch unschuldig ist.

Die Leserin trifft also auch wieder die teils skurrilen, teils tragischen Figuren aus dem fiktiven Örtchen, in dem es idyllisch, aber auch grausam sein kann. Louise Penny ist eine Meisterin des Krimi-Gleichgewichts. Sie balanciert die kleinteilige Polizeiarbeit mit dosierter Action aus, lässt manches gut, anderes aber auch richtig schlimm ausgehen, bringt diesmal erstaunliche Mengen an Québec-Historie unter, dies aber so geschickt in Dialogen, dass man sich nicht belehrt und schon gar nicht gelangweilt fühlt.

Die Kanadierin steht mit ihrer Gamache-Serie nicht an der Speerspitze hochliterarischer Kriminalromane, sie ist eine eher traditionelle, doch feine, genaue Erzählerin, die immer mal ein bisschen comic relief, Atmosphäre – in „Heimliche Fährten“ wintert es heftig – und vielschichtige Figuren zu schaffen vermag. Und die ganz nebenbei, ganz unaufdringlich erklärt, warum die Franko- und die Anglo-Kanadier noch immer nicht unbefangen nebeneinander leben. Und die einen immer noch nach einem jahrhundertealten Sarg suchen.

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